Sommerkonzerte2026

Zwischen Erinnerung und Fantasie
Sommerkonzerte mit Uraufführung von Alice at 90
Veröffentlicht: 22.06.2026 

Sommerkonzert am 19.6.26 mit dem Raschèr Saxophone Quartet (Foto: Carsten Peter Schulze)

Hannover. Mit den diesjährigen Sommerkonzerten präsentierte der Mädchenchor Hannover ein Programm, das musikalische Tradition mit zeitgenössischen Klangwelten verband. Im Mittelpunkt stand dabei die Uraufführung des eigens für den Chor komponierten Werkes Alice at 90 von Ian Wilson – ein besonderer musikalischer Moment, der das Publikum nachhaltig beeindruckte.
Den Auftakt des Abends bildeten Stücke von Bélá Bartók und Robert Schumann, die mit schönen Chorklängen und der Begleitung des Raschèr Saxophone Quartetts und Nicolai Krügel am Klavier eine besondere Atmosphäre schufen. Auch die Werke aus Kuckuck, König, Tulipan von Herwig Rutt setzten Akzente. Das Solo von Amalia Steinort an der Violine verlieh dem Auftritt zusätzliche Ausdruckskraft.
Unter Leitung von Andreas Felber schuf der Mädchenchor im Anschluß, gemeinsam mit dem Raschèr Saxophone Quartett, mit der Uraufführung von Alice at 90 eine außergewöhnliche Klangwelt zwischen Erinnerung und Fantasie. Komponist Ian Wilson verbindet in seinem Werk Inhalte aus dem weltberühmten Buch Alice im Wunderland von Lewis Carroll mit der zeitgenössischen Lyrik der britischen Autorin Helen Pizzey.
In der kurzen Einführung vom Komponisten wurde deutlich, dass sein Werk die Figur Alice aufgreift und eine musikalische

Erzählung über das Älterwerden, das Erinnern und die Kraft der Vorstellung ist. Persönliche Bezüge – u.a. die Lebenssituation seiner Mutter, die wie Alice at 90, im Altersheim lebt – verliehen dem Stück zusätzliche Tiefe.
Musikalisch entstand eine ungewöhnliche Klangwelt: Der Einstieg in das Werk wirkte ungewiss und fast surreal. Durch die steigernde Intensität der Lautstärke und Klangdichte durch Stimmen und Saxophone entstand ein Gefühl von Chaos und stetiger Bewegung. Immer wieder entstanden Spannungen zwischen Ordnung und Auflösung, zwischen Ruhe und plötzlicher Energie. Chor und Quartett standen dabei in ständigem Dialog – sie antworteten einander, überlagerten sich und erzeugten dabei überraschende Wendungen. Fallende Linien, schreiartige Impulse und dichte Klangteppiche schufen eine Atmosphäre zwischen Harmonie und Absurdität.
Nach dieser intensiven musikalischen Darbietung öffnete sich das Konzert in Richtung fröhlicher Zuversicht. So überzeugten z.B. David Langs I want to live und Edward Elgars Fly, Singing Bird durch seinen hoffnungsvollen Charakter und der Begleitung von Marisa und Amalia Steinort an der Violine. Ruhige und zugleich vorausblickende Momente bildeten den Ausklang eines Konzerts, das die musikalische Vielseitigkeit des Mädchenchor Hannover erneut eindrucksvoll unterstrich. (j.eike)

Alle Fotos: (c) Carsten Peter Schulze