Mehr über den Mädchenchor

1.10-12.10.16

Die NDR Radiophilharmonie und der Mädchenchor Hannover waren in diesem Jahr fast zeitgleich zu einer Konzerttournee nach China eingeladen. Der MCH vom 1. – 12.Oktober, die RPH vom 11. – 23. Oktober 2016.
Der Mädchenchor Hannover wurde von der chinesischen Konzertagentur „Mao“ eingeladen und in der Organisation der Reise von „China Concerts“ unterstützt. Die Reise wurde u.a. von der Chinesischen Botschaft, dem Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut und dem MWK gefördert. Unsere Konzertorte waren Shanghai, Jinsheng, Tianjin, Beijing. In der Shanghai Concert Hall und der Tianjin Concert Hall konzertierte der Mädchenchor in denselben Konzertsälen wie die NDR-Radiophilharmonie einige Tage später.

01.10.2016 – Reisetag

Gegen 16.00 Uhr nimmt Frau Qing Liu-Weiberlenn, unsere Konzertmanagerin von China Concerts, alle Teilnehmerinnen der Konzertreise des Mädchenchor Hannover  am Flughafen in Empfang. Die Stimmung ist – wie immer bei Reiseantritt – gut. 

02.10.2016 – Shanghai

Nach anstrengender Reise endlich in Shanghai. Am Flughafen werden wir mit einem riesigen Blumenstrauß von unserer Reiseleiterin, Frau Zhao empfangen. Die Busfahrt zu unserem Hotel zeigt das übliche Vorstadtgrau, zahlreiche Plattenbauten gigantischen Ausmaßes und Hochhäuser, so weit das Auge reicht. Unser Hotel, das Huajing, liegt im Nordosten der Stadt.

Ein chinesisches Abendessen wird prompt geliefert und erstaunt uns in seiner fremdländischen Exotik so sehr, dass es der einen oder anderen glatt den Appetit verschlägt.

Der Abend wird nicht lang, alle haben ein bisschen Schlaf nachzuholen und wollen für das morgige Konzert gut ausgeruht sein.

03.10.2016 – Shanghai (Shanghai Concert Hall)

Nach dem chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober haben die Chinesen einige Ferientage zusätzlich und die Stadt ist voller Menschen. Wir hoffen also auf guten Besuch unserer Konzerte. Um 14.30 Uhr geht es zu unserem ersten Konzertort auf dieser Reise, der Shanghai Concert Hall. Der monumentale Stil mag aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen, gewiss ist die Zeit ein bisschen darüber hinweg gegangen, doch finden wir einen Konzertsaal mit hervorragender Akustik für 650 Zuhörer vor. Auf dem Plakat werden übrigens Les Arts Florissants mit William Christie angekündigt.

Ein ausverkaufter Konzertsaal! Das heißt zusätzliche Motivation, dem Publikum das Programm so gut wie möglich zu servieren. In der Probe müssen wir uns in der Stimmbalance an den Raumklang gewöhnen: die Nocturnos von Mozart müssen noch deutlicher artikuliert werden, „Salut printemps“ von Debussy bedarf noch mehr dynamischer Differenzierung.

Im Konzert vor Publikum am Abend war der Klang sehr brilliant, die Textverständlichkeit äußerst klar, so dass in dem chinesischen Chorsatz, auswendig gesungen, für die Chinesen jedes Wort verständlich war.

Die Zuhörer – ein ausgesprochen aufmerksames und offensichtlich fachkundiges Publikum – hörten sehr interessiert zu – keine Selbstverständlichkeit bei Chinesen – und applaudierten begeistert.

Nach dem Konzert mussten Gudrun Schröfel und die Chormädchen Autogramme geben und CDs unterzeichnen. 

In der Garderobe besuchte uns Hanna geb. Hesse, ein früheres Chormitglied, die mit ihrer Familie seit 10 Jahren in Shanghai lebt.

04.10.2016 – Shanghai (Shanghai Concert Hall)

Ein weiterer Tag in Shanghai. Nach dem Frühstück fahren die Mädchen mit der U-Bahn zum Bund, der Uferpromenade in Huangpu, die zur Expo 2010 „herausgeputzt“ wurde . Von dort hat man einen tadellosen Blick auf den Stadtbezirk Pudong mit seiner beeindruckenden Skyline, die das beigefügte Foto nur schlecht wiedergeben kann. Leider haben wir nicht viel Zeit für die Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, die diese riesige Stadt zu bieten hat. Nach Mittagessen und etwas Freizeit geht es wieder in die Shanghai Concert Hall, wo das zweite Konzert unserer Reise zu singen ist.

Im 2. Konzert hat sich der Chor noch besser an die Akustik im Saal gewöhnt, so dass die Kompositionen von Arvo Pärt und die Romanzen von Brahms und Schumann sehr ausdrucksstark und deutlich transparenter zu Gehör gebracht werden. Die Mädchen haben sich, was ihren Gestaltungswillen betrifft, noch einmal gesteigert.

05.10.2016 – Jincheng

Pünktlich um 05.30 Uhr (!) verlassen wir das „Tor zur Welt“, wie Shanghai auch genannt wird, und fahren zum Flughafen, um nach Zhengzhou zu fliegen, von wo es dann mit dem Bus nach Jincheng weitergehen soll – eine ziemlich lange Reise.

Die Fahrt über Land nach Jincheng zeigt uns Landschaften, die wir bisher in China nicht zu Gesicht bekommen haben, u.a. zerklüftete Felsregionen und hohe Berge mit tiefen Einschnitten, an deren Grund sich klare Seen spiegeln, wie wir sie von chinesischen Tuschezeichnungen kennen. Doch haben viele der Mädchen kaum einen Blick für die Landschaft, weil die müden Augen fest geschlossen sind.

Als wir unser Hotel in Jincheng erreichen, werden wir schon vor dem Eingang mit einer großen Leuchttafel begrüßt:

… ny to visit our hotel!”

Nach dem Bezug herrlicher Zimmer und einer Mahlzeit, die keine Wünsche übrig lässt (sogar „nackte Nudeln“, wahlweise mit Tomatensauce finden sich im Angebot!), teilen wir uns auf.

Die Mädchen brechen zu einer Besichtigung der Altstadt von Jincheng auf, während Frau Schröfel einen Workshop für 35 Chorleiter und den Jincheng Chor des Kunstzentrums gibt. Dieses beherbergt unter einem Dach unterschiedliche Möglichkeiten, sich künstlerisch zu betätigen, es gibt Ballet, Oper, Theater, Kunstausstellungen. Der Leiter des Art Palace ist hoch erfreut über die Möglichkeit, von einer deutschen Chorleiterin unterrichtet zu werden. Es gibt einen regen Austausch kultureller Besonderheiten der beiden Länder China und Deutschland. Neben der musikalischen Arbeit an einem chinesischen und einem deutschen Stück muss Frau Schröfel  für unzählige Fotos mit immer wechselnden Gruppierungen herhalten.

Unterdessen sind die Mädchen zum Besuch der Altstadt von Jincheng aufgebrochen. Es gibt dort eine Burganlage aus der Ming-Zeit zu besichtigen, außerdem findet just in time die Aufführung einer altertümlichen Hochzeit statt. Kurz vor der Rückfahrt zum Hotel singen die Mädchen auf dem Parkplatz Mendelssohns „Hebe deine Augen auf“ , da bleibt auch so manches chinesische Auge nicht trocken.

06.10.2016 – Jincheng (Jincheng Art Theater)

China ist ein Land großer Gegensätze, was uns tagtäglich vor Augen geführt wird. Hier Hightech vom Feinsten, da Straßenkehrer wie aus Urgroßvaters Zeiten. Hier ein vor Sauberkeit blitzender Flughafen mit Granitfliesen, von denen man essen könnte, da Treppenhäuser, die vor Schmutz starren und übele Gerüche verströmen. Hier – und das ist ein Thema, das einen MÄDCHENchor besonders bewegt – feine Toiletten in der VIP-Lounge des Jincheng Art Theater, im selben Haus aber unappetitliche Löcher, die man nicht mal ansehen, geschweige denn betreten und benutzen möchte.

Ein anstrengender Tag liegt vor uns, gleich zwei Konzerte gilt es zu absolvieren. Die Konzert-Halle ist neben 1500 Plätzen mit einer grandiosen Video-Installation bestückt, die den Chor mit einem „World Classical Chorus Concert“ ankündigt.

Der Saal ist akustisch äußerst schwierig, insofern dauert die Stellprobe sehr viel länger als geplant. Die Solistinnen müssen sich an Mikrofone gewöhnen, so dass die Choreografie der beiden Duette aus „Hänsel und Gretel“ spontan verändert werden muß. Zwei Konzerte im Rahmen eines Festivals am selben Tag, eines um 15.00 Uhr, ein zweites um 19.30 Uhr, das bedeutet eine große Herausforderung für so junge Leute. Beide Konzerte  finden in dieser sehr großen, gut gefüllten Halle statt. Der Chor wächst über sich hinaus.

Im Abendkonzert ist der Chorklang frei von Anstrengungen, die Mädchen singen lustvoll und sind begierig, jede musikalische Geste von Gudrun Schröfel umzusetzen.

Katharina Held, Maria Rüssel, Elisa Hennig (sie singt zum ersten Mal „Suse, liebe Suse“), Charlotte Pohl und Natalie Bühl sowie einige Mädchen mit kleineren solistischen Aufgaben schlagen sich in dieser wirklich schwierigen Akustik sehr beachtlich. Es ist für alle eine wichtige Erfahrung, – auch mit solchen Situationen muß man umgehen können. 

Hier erleben wir allerdings das Publikum von einer Seite, die wir bisher nur vom Hörensagen kennen: Fröhliche, schwatzende Menschen. Aber die Mädchen sind professionell genug: sie geben ihr Bestes und singen, als ob sie vor einem kunstbeflissenen, kenntnisreichen (Fach-) Publikum sängen. Auch dies gehört zur Bildung der Mädchen, die sich mit jeder Reise in ein fremdes, außereuropäisches Land vermehrt.

07.10.2016 – Tianjin

Von Jincheng nach Tianjin haben wir mit dem Bus eine 12-stündige Reise vor uns. Es regnet in Strömen, so dass die vorbeifliegende Landschaft in trübes Grau getaucht ist. Die Mädchen vertreiben sich die Zeit, indem sie Reime konstruieren, Spiele spielen, lesen und dösen.

Wir erreichen Tianjin in der Dunkelheit, doch zieht uns die Stadt sofort in ihren Bann: Phantastische Wolkenkratzer, breite, saubere Straßen, belebte Plätze mit vielen unternehmungslustigen Menschen, Brücken, die bestimmt aus Architekturwettbewerben hervorgegangen sind, dazwischen neoklassizistische Bauten. Wir checken im IBIS- Hotel am Bahnhof ein, danach geht es ins „Lokal zum Goldenen M“, eine angesichts der für manche Mädchen  schwer (oder auch ganz schnell) zu verdauenden chinesischen Küche willkommene Abwechslung. Bei der Rückkehr ins Hotel sieht man dann auch auf vielen Gesichtern eine zufriedene Sattheit oder satte Zufriedenheit, ganz nach Lesart.

08.10.2016 – Tianjin (Tianjin Concert Hall)

Der Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, herrlich blauem Himmel und dezenter Spätsommerkühle, was die Lust auf Unternehmungen in der Stadt steigert. Der Vormittag ist frei, so dass sich die Mädchen in verschiedenen Gruppen aufmachen, um Tianjin näher kennen zu lernen.   

Ein Ziel ist der Antiquitätenmarkt im Westteil der Stadt, wo es viel zu sehen gibt: Lokale Altertümer aus dem Kalligraphie- und Schnitzbereich, diverse Mineralien, Bernstein fraglicher Provenienz, Elfenbein aus Gießharz, für das sicher kein Tier gewildert werden musste, daneben viele Händler, die dampfende Köstlichkeiten anbieten, und um die wir einen Bogen machen, Kleidung, Haarkämme und -spangen undundund. Einige der Mädchen sind erstaunlich gut im Feilschen, kaum eine kommt ohne Schätze ins Hotel zurück.

Nach Mittagessen und etwas Ruhe geht es zu unserem nächsten Aufführungsort, der Tianjin Concert Hall.  Das klassische Gebäude, in dem  sich etliche Bilder der europäischen Malerei besichtigen lassen, beherbergt außerdem einen herrlichen Konzertsaal mit ausgezeichneter Akustik und einem sehr guten Steinway-Flügel: fantastisch. Und die funktionsgerechten und wunderbar ausgestatteten Backstage-Räumlichkeiten lassen uns staunen. Obgleich wir wieder eine ausführliche Probe benötigen, um den Klang auf diesen wunderbaren Saal einzustellen, sind wir begeistert von dieser hervorragenden Akustik. Zur Probe gesellen sich auch die Mädchen und Jungen des chinesischen Kinderchores, die mit den Hannoveranerinnen ein gemeinsames Lied singen. Die kleinen SängerInnen, lassen sich spielend leicht auf „unsere“ Chorleiterin ein und erhalten „nebenbei“ eine Lektion in vorzüglicher Stimmbildung.

Im abendlichen Konzert zeigen die Mädchen wieder ihr ganzes Können. Das Publikum ist heute aufmerksamer als in Jincheng, es gibt weniger Hintergrundstörgeräusche, doch hat auch hier die Hälfte der Zuhörer ein Handy vor dem Gesicht; Musik wird hier also direkt gehört und indirekt gesehen. Nach dem Konzert geht es dann zu wie beim Rockfestival:

Gudrun Schröfel kann sich kaum retten vor Fan-Fotos, Autogrammen, CD Unterschriften

09.10.2016 – Peking / Beijing (Quinghua University)

Peking / Beijing

Das Mittagessen nehmen wir in einer Art chinesischem Fast-Food-Restaurant ein, wo unsere Konzertmanagerin, Frau Liu-Weiberlenn eine für die Stadt Peking typische Mahlzeit bestellt hat. Da lässt sich für jeden Geschmack etwas finden.

Kurze Mittagsruhe und ab geht es an den Ort unseres letzten Konzerts, die Quinghua University. Diese gehört zu einer Gruppe von Elite-Universitäten, die auch international mithalten können. Der Campus ist ein sehr gepflegtes Gelände, auf dem die riesige, moderne Konzerthalle steht.Schon von außen und weitem sind die Mädchen auf einem großen Plakat sowie der Lichtreklame-Ankündigung des Tages in ihren roten Jacken gut zu erkennen.

Hier finden wir einen Konzertsaal mit optimalen akustischen Bedingungen, schon die Probe an den Rossini-Chören und dem „Ave Maria“ von Gustav Holst macht Lust auf das abendliche Konzert. Dieses findet vor einem sehr aufmerksamen und begeisterungsfähigen Publikum statt, in dem sich viele Hochschulangehörige und sehr viele junge Menschen befinden. Der 2000-Plätze-fassende-Konzertsaal ist zwar nicht ganz, aber doch gut gefüllt. Der Beifall steigert sich bis hin zu enthusiastischem Applaudieren und Bravorufen. Und da es unser letztes Konzert ist, darf natürlich der traditionelle Chorstreich nicht fehlen. Mozarts „Due pupille amabili“ erhält einen schmissigen neuen Text und die in Fußballstadien übliche La Ola-Welle wird durch Textbausteine ersetzt,

10.10.2016 – chinesische Mauer

Heute geht es zur Chinesischen Mauer, diesem mehr als 20.000 km langen Bauwerk, UNESCO Welterbe und Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. 

Nach etwa eineinhalbstündiger Fahrt von Peking mit dem Bus nach Mutianyu stellen wir fest, dass sich seit unserem letzten Besuch vor 8 Jahren sehr viel hin zu einer europäisch/amerikanisch ausgerichteten Touristenattraktion getan hat. Sahen wir damals fast ausschließlich chinesische Kleinhändler an der Mauer, finden sich nun Straßenzüge mit allem nur erdenklichen Kitsch, Plastik, Essbuden usw. Doch kann man auch hübsche Kleinigkeiten als „Mitbringsel“ für die Daheimgebliebenen erwerben. 

Um auf die Mauer zu gelangen gibt es die sportliche und die bequeme Möglichkeit. Etliche Mädchen wählen Nummer eins und laufen hunderte von Treppenstufen nach oben.  Etwas gemütlicher kann man sich mit einer Seilbahn nach oben gondeln lassen. Oben angekommen, ist das Ergebnis das gleiche: Staunen über dieses Bauwerk, herrliche Weitsicht ins Land bei strahlendem Sonnenwetter und glückliche Gesichter allüberall. Natürlich wird ein gemeinsames Erinnerungsphoto geschossen (folgt), und auch sonst haben Handys und Photoapparate viel zu tun – man wird das zu gegebener Zeit ansehen können oder müssen. Und das Wetter… sagenhaft!

  Anschließend geht es in eine chinesische Restauration, wo wir die berühmte Peking-Ente zu

essen bekommen. Nach diesem Ausflug geht es zurück in den dichten Abendverkehr Pekings und hin zum Vogelnest, das wir uns von außen ansehen, bevor wir zurück ins Hotel fahren.

11.10.2016 – Peking / Beijing

Unser letzter Tag in China.

Früh starten wir mit der U-Bahn in die Verbotene Stadt, schon das ein Abenteuer für sich. In großem Gedränge 58 Menschen, auf verschiedene Eingänge verteilt, zügig in die Waggons zu bekommen, ist gar nicht so einfach, doch die Mädchen vom MCH sind auch dabei ein starkes Team.  Viel schwieriger gestaltet sich das Betreten der Verbotenen Stadt, gibt es doch an jeder Ecke Kontrollen, die bei vielen Menschen auch viel Zeit erfordern. So müssen z.B. am Haupttor noch einmal sämtliche Pässe gezeigt und registriert werden. Die Verbotene Stadt ist ein riesiges Areal mit 890 oder 9999,5 Bauwerken (je nach Lesart), das in seiner Anlage einzigartig ist. Neben den vielen Palästen und Pavillons befindet sich hier auch das Palastmuseum Peking. Die zwei Stunden, die zur freien Verfügung stehen, reichen sicher nicht aus, um alles zu sehen und sind doch genug Zeit für die Mädchen, sich einen Eindruck zu verschaffen.

Danach geht es (juhuuuu) ab in die Einkaufszonen Pekings, wo sich die Damen beim Feilschen um den besten Preis  wieder gegenseitig überbieten, wovon die Gespräche am Abendbrottisch Zeugnis ablegen.

12.10.2016 – Reisetag

Nach einer ereignisreichen KONZERT- und BILDUNGsreise, die den Horizont der jungen Leute in vielerlei Hinsicht erweitert hat, freuen sich alle auf ein deutsches Frühstück.

Fotos: Hedderich

Mädchenchor Hannover

Konzertreise nach Italien 2015
16. Oktober 2015

Unser Abreisetag. Wir starten mit zwanzigminütiger Verspätung von der Christuskirche aus, nicht ohne unsere charmante Fahrerin durch einen männlichen Reisebegleiter ersetzt zu haben – auf einer Reise des MCH ist auch Manpower gefragt.

Unsere Fahrt wird zumindest anfänglich von etlichen Staus behindert, so dass wir über Sehnde und Lehrte die Autobahnauffahrt erreichen (müssen). Dann allerdings geht es zügig durch ein regennasses Deutschland bis nach Nürnberg, wo wir um 23 Uhr eintreffen. Die Jugendherberge erweist sich als ein wunderbar modernisiertes altes Gemäuer: Die 500 Jahre alte Kaiserstallung der Burg lässt auch in der Dunkelheit ihre außergewöhnliche Lage ahnen.

Doch steht den meisten von uns der Sinn nur noch nach einem Bett. Reisen ist anstrengend. 

17. Oktober 2015

Wieder steht uns ein reiner Reisetag bevor: Von Nürnberg geht es heute bis nach Venedig. Als wir pünktlich um 9 Uhr die Jugendherberge verlassen, liegt eine gut 700 km lange Strecke vor uns, die wir mit allen vorgeschriebenen Pausen bis etwa 19.30 Uhr hinter uns gebracht haben wollen. 

Bei schönem Wetter geht es via München, Innsbruck, Bozen und Verona zum Zielort. Nach einigen Formalitäten und einem millimetergenauen Einparkmanöver von Kay stehen wir vor unserem Hotel Venezia, das uns zwei Nächte lang beherbergen wird.

Zum Nachtessen geht es in eine sehr nah beim Hotel liegende Trattoria, wo wir mit Lasagne und Apfelstrudel (man lese und staune) gesättigt werden.

Morgen kommt dann endlich die Musik ins Spiel.

18. Oktober 2015

Das wird ein anstrengender Tag, haben wir doch gleich zwei Konzerte zu singen. Aber der Reihe nach.

Wir verlassen nach dem Geburtstagsfrühstück (Lucia begeht ihren 16. Geburtstag) um 9.15 Uhr das Hotel, um nach Tronchetto zu fahren, wo wir den Bus abstellen wollen. Als wir über die Ponte della Liberta auf Venedig zufahren, begrüßt uns die Silhouette der Stadt in fahlem Sonnenlicht, was einigen Mädchen wahre Begeisterungsrufe entlockt. Durch den Canale della Giudecca geht es zum Anleger Cornoldi, von dort zur Basilica di S. Marco, wo um 12 Uhr eine Messe beginnt, die vom Gesang der Mädchen bereichert wird.

Als wir die Kirche nach dem Gottesdienst verlassen, bemerken wir, dass das Wasser steigt: Im Vorraum von S. Marco bilden sich Pfützen und auch auf dem Markusplatz finden sich große Lachen. Wir begeben uns zum Campo SS. Apostoli, wo die „Comunita Evangelica Luterana di Venezia“ residiert. Diese geschichtsträchtige und über lange Zeit auch kämpferische Gemeinde, die heute noch etwa 120 Mitglieder zählt und derzeit vom deutschen Pfarrer Bernd Prigge betreut wird, ist der Ort unseres zweiten Konzertes in Italien. Erst einmal heißt es, sich mit Pizza zu stärken, bevor die Proben beginnen.

Um 17 Uhr c.t.! beginnt das Konzert, das allerdings in der ersten viertel Stunde durch ein reges Kommen und Gehen etwas unruhig ist. Die Mädchen singen großartig und werden mit viel Beifall bedacht.

Gut gelaunt starten wir zum Abendessen in einem Restaurant direkt am Canale Grande. Die Vegetarier unter uns bekommen Plätze draußen zugewiesen, und es entbehrt nicht eines gewissen Flairs, am Wasser bei einbrechender Dunkelheit unter Heizpilzen die Mahlzeit einzunehmen.

Zwischenzeitlich hat es zu regnen begonnen, so dass wir den Heimweg mit Regenjacken und -schirmen antreten. Unser Boot nimmt uns am Anleger auf und fährt uns wieder zurück nach Tronchetto, zeitlich unterhaltsam von Frau Gudrun Romor, einem Mitglied des Kirchenvorstandes in SS. Apostoli verkürzt. 

Kay fährt uns zurück ins Hotel, wo wir alle nur noch eines wollen: Ins Bett.

Morgen geht’s weiter nach Meran. Erst aber machen wir Venedig noch ein bisschen unsicher…

19. Oktober 2015

Wettervorhersage für diesen Montag: Ergiebiger Regen. In der Nacht ist das Geplätscher von oben deutlich zu vernehmen. Am Morgen ist der Himmel noch unentschlossen, doch klärt sich – wie so oft im Leben – manches ganz von selbst.

Wir verlassen unser Hotel Venezia am Morgen pünktlich! und fahren ein weiteres Mal nach Venedig, allerdings nicht, um zu musizieren, sondern um noch ein wenig von der so berühmten Stadt zu sehen. Wir parken den Bus wieder auf der Isola del Tronchetto und setzen mit „unserem“ Boot nach Cornoldi über. Dort trennen sich unser aller Wege, in Gruppen erkunden die Mädchen Stadt, Kirchen, Plätze, Museen und Geschäfte, jede(r) auf seine Art und soviel in drei Stunden zu schaffen ist, denn genau um 14.15 Uhr müssen wir uns wieder am Bootsanleger treffen, um Venedig Adieu und Meran buona sera zu sagen.

Auf dem Weg nach Meran zeigt sich der Himmel in schönstem Blau, die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und verleiht den umliegenden Bergen eine unnachahmliche Färbung. Gegen 19 Uhr erreichen wir die Jugendherberge in Meran, es gibt eine Brotzeit, danach nur noch „Abendgeselligkeiten“.

Es ist auf dieser Reise erfreulich, mit der derzeitigen Chorbesetzung Konzerte zu geben und gleichzeitig eine menschlich so wunderbare Chorgemeinschaft zu (er)leben.

Morgen geht es zum Singen nach Bozen.

20. Oktober 2015

Strahlender Sonnenschein begrüßt uns, als wir aus den Jugendherbergsfedern kriechen. Wir haben das Gebäude und die Umgebung bei unserer Ankunft nur in Dunkelheit gesehen und sind nun ganz begeistert von diesem schönen Fleckchen Erde. Bis zum Mittagessen bleibt genug Zeit, den sehr überschaubaren Ort zu erkunden.

Meran ist ja schon im 19. Jahrhundert als Kurort bekannt gewesen, mit seinem mediterranen Klima, wovon die Flora zeugt, und der „guten Luft“ taugte es zur Erholung von allen möglichen „Lungenleiden“. Für uns, den MÄDCHENchor, ist es gut zu wissen, dass es hier seit 1988 ein privat geführtes Frauenmuseum gibt.

Die „Pizzaria Principe“ ist unser Ziel für’s Mittagessen, das aus Penne Bolognese, con Verdura und Tiramisù besteht. Der wahre Hit ist allerdings, dass Jean Reno, bekannt aus „Léon – Der Profi“ hier kellnert – zumindest sieht einer der Cameriere so aus wie der berühmte französische Schauspieler – Bilder auf Wunsch!

Nach dem Mittagessen fahren wir durch die herrliche Bergwelt nach Bozen, wo wir in der Evangelischen Kirche des Ortes unser drittes Konzert geben wollen. Der Pastor, Herr Dr. Friedrich, begrüßt uns und gibt eine Einführung in protestantisches Leben in der Diaspora, denn das sind die Lutheraner in diesem mehrheitlich katholischen Land. Ausgiebige Probenarbeit beherrscht den Nachmittag, doch ist danach auch noch ausreichend Zeit für Entspannung und ein Sonnenbad in der untergehenden Sonne.

Das Konzert, das von einer sehr aufmerksamen Zuhörerschaft verfolgt wird, ist ein anspruchsvolles, das von den Mädchen bravourös gemeistert wird; wir sehen, dass manchen der Besucher Tränen über die Wangen laufen…

Die Rückfahrt in unsere Jugendherberge ist eine ganz fröhliche, doch lang wird der Abend nicht mehr.

21. Oktober 2015

Es ist ein bisschen vermessen, immer wieder zu betonen, wie! schön! das Wetter hier ist, aber ich kann nur sagen: „Wenn Engel reisen, lacht der Himmel“.

Die Engelchen also verlassen die Jugendherberge in Meran pünktlich um 10 Uhr zur Weiterfahrt nach Bologna. Wir fahren Richtung Süden, der Sonne entgegen, lassen ein zweites Mal den Gardasee rechts liegen und sind dank günstiger Verkehrsverhältnisse früher als geplant in Bologna. Es bleibt also für die Mädchen viel Zeit, die Stadt zu erkunden. Frau Schröfel hat in einem Kurzvortrag die wichtigsten Bauwerke, Kirchen und Sehenswürdigkeiten skizziert, so dass die „Ladies“ (wie sie von Frau Kanzow liebevoll genannt werden) wissen, dass es außer den reizvollen Läden in der Altstadt auch andere besuchenswerte Lokalitäten gibt.

Und wie sie dies Wissen umsetzen! Kaum eine Kirche, in der die Betreuer nicht auf wahre Heerscharen von hannöverschen Mädchen treffen. In der Kathedrale San Pietro formiert sich ein Spontanquintett, das ein Sanctus von Caplet in der großartigen Akustik des Kirchenraumes singt und damit sogar den Priester aus seinem eichtstuhl lockt. Einige der sportlichen Girls besteigen die hohen Wahrzeichen der Stadt, Torre Garisenda und Torre degli Asinelli und erhalten als Belohnung einen traumhaften Blick über das sonnige Bologna. Am Neptunbrunnen auf der Piazza Maggiore werden Kultur und Kulinarik ein wenig vermengt – der Cappuccino schmeckt in solch‘ geschichtsträchtiger Atmosphäre nun mal besonders gut.

Kleine Kuriosität am Rande: In der Basilica di Santo Stefano, der ältesten Kirche Bolognas, einem Ort der Stille und des Gebets, weist mitten im Kreuzgang ein Schild auf „free Wi-Fi“ – willkommen im 21. Jahrhundert!

Leicht „angemüdet“ fahren wir alle nach prallvollen Stunden in unser Hotel am Rande der Stadt, wo uns ein leckeres Abendessen erwartet. Nach kurzen Planungen für den kommenden Tag verdrücken sich alle in ihre Zimmer – bald ist Schlafenszeit.

22. Oktober 2015

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er ‚was erzählen und wenn es gar eine Busreise ist, weiß man spätestens am dritten Reisetag ALLES über Ruhezeiten, (Zwangs)Pausen, Fahrtenschreiber und Versicherungsfragen im Fernbusgeschäft.

Heute nun ist also Ruhetag für unseren Fahrer Kay, was bedeutet, dass er seinen und unseren Bus mindestens 24 Stunden nicht vom Fleck bewegen darf. Auch die Mädchen haben heute einen Ruhetag, schauen ein bisschen in ihre Noten, gehen im Sonnenschein spazieren, „chillen“ und nutzen den Fitnessraum unseres Hotels. Um 17 Uhr (pünktlich!, was den italienischen Fahrer sehr verwundert, das sei in seinem Land ganz ungewöhnlich) fahren wir zu unserem Konzertort in Bologna, der Kirche „Santa Maria della Vita“, einer Barockkirche mit einer beeindruckenden Terrakotta-Skulpturengruppe der Beweinung Christi – unbedingt ansehen, wenn Bologna auf dem Reiseplan steht.

Eine ausgiebige Probenarbeit leitet uns in den Abend hinüber. Bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn um 20.45 Uhr stehen etliche Besucher vor der Kirchentür, bei Konzertbeginn ist der Kirchenraum gut gefüllt. Die Mädchen geben (wieder) ihr Bestes, der Applaus verlangt nach Zugaben, die -natürlich- gern gewährt werden. Recht spät machen wir uns auf den Rückweg ins Hotel, erfüllt von viel Musik und bester Laune.

Morgen müssen wir das schöne Bologna verlassen, um in die Stadt zu fahren, die das Ziel vieler, wenn nicht gar aller Wege ist: Rom!

23. Oktober 2015

Bologna – Stadt der berühmten Sauce, von Mortadella und Tortellini, Namensgeberin für einer mehr schlecht als recht geglückte Studienreform, Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2000 und Unesco City of Music: Hier schließt sich der Kreis, denn auch Hannover darf als eine von zwei deutschen Städten diesen Titel führen.

Wir verlassen diese interessante Stadt und fahren in Richtung Süden durch die traumhafte Berglandschaft des Apenin, wobei natürlich die Sonne maßgeblich an unserer Freude Anteil hat, hören wir doch, dass die Pässe oft in undurchdringliche Nebelschwaden getaucht sind.

Unsere Fahrt verläuft mit den obligatorischen Pausen ganz ungestört, und wir erreichen Rom am Nachmittag.

Unser Domizil diesmal ist die Villa Letizia, eine katholische Herberge, die sich auf die Gründerin des Ordens der „Töchter Mariae Mutter der Kirche“, Matilde Tellez Robles, beruft. Wir werden überaus freundlich empfangen, der reizende „padrone“ Juan sorgt sich um Anfragen und jedes Problem(chen) in rührender Weise.

Nach dem Abendessen in einer benachbarten Trattoria gibt es für die Mädchen und Frau Schröfel noch Arbeit am Notenmaterial in der kleinen, warmen(!) Kapelle des Hauses, danach verkriechen wir uns in unsere Betten – wie gut, dass Extradecken bereitgelegt worden sind, denn die Nächte sind empfindlich kalt.

Morgen sehen wir dann mehr von Rom, es steht eine Stadtführung auf dem Programm.

24. Oktober 2015

Rom – die schöne, die aufregende, die ewige Stadt: Wir freuen uns auf einen freien Tag, der uns Gelegenheit gibt, wenigstens ein BISSCHEN ihrer Kultur, ihres Lebensgefühls aufzunehmen.

Nach dem Frühstück in unserer Herberge (Mannomann: Starker Kaffee!) fahren wir mit dem Bus los und nehmen unterwegs Frau Edith Schaffer auf, die uns für ein paar Stunden als Stadtführerin einige markante Punkte nahebringen wird. Man sollte nicht vergessen, dass es in unserer Gruppe Menschen gibt, die eben NICHT schon 20 Mal in dieser Stadt waren und somit erst einmal überwältigt sind von dieser Ansammlung an geschichtsträchtigen Bauten, verbunden mit einem chaotisch anmutenden Verkehrsgemenge, denn anders als z.B. in Venedig wälzen sich hier nicht nur Menschen-, sondern auch Blechlawinen durch alle Ecken und Enden.

Frau Schaffer, die aus dem schönen Chiemgau stammt, erweist sich als Glücksfall für uns. Ganz abgesehen von ihrer überaus freundlichen Art bereitet sie die Geschichte Roms, die sich in den Bauwerken oder dem, was davon übrig ist, spiegelt, für uns auf besonders einprägsame und gleichzeitig unterhaltsame Weise auf. Sie verknüpft Mythologie, Legende und Faktenwissen so gekonnt, so beiläufig und trotzdem nachdrücklich, dass wir alle(!) bereichert werden. Man hat gar keine Lust, mit den Augen oder den Gedanken abzuschweifen, denn es ist eine Freude, ihr zu folgen, spannend zu hören, was sie zu sagen hat.

Wollte ich alles aufzählen, was wir in den Stunden mit ihr gesehen haben, so würde dieser Tagesbericht einem Reiseführer gleichen, der er ja gewiss nicht ist. Sowohl Ausgangs- als auch Endpunkt unserer Tour sind Bauwerke, die mit dem römischen Kaiser Hadrian verbunden sind: Engelsburg und Pantheon.

Letzteres wird zu einem besonders eindrücklichen Punkt auf unserer Reise, indem der ganze Chor das herrliche Gebäude mit einem kurzen Stück zum Klingen bringt, die Töne im Halbrund aufsteigen und die große Besucherschar wenn nicht verstummen, so doch aufhorchen lässt. Unter Applaus verlassen die Mädchen das Pantheon. Wir verabschieden und bedanken uns von und bei Frau Schaffer, danach beginnt die „freie Zeit“ für die Mädchen, die sie auf unterschiedlichste Weise verbringen. Gemeinsamer Nenner scheint allerdings eine große Eisportion in der an Eisläden so reichen Stadt zu sein. Das sommerwarme Wetter lädt natürlich auch dazu ein, sich durch die Straßen und Gassen treiben und Rom wirken zu lassen.

Treffpunkt zum gemeinsamen Abendessen ist das uns schon vom Vortag bekannte Lokal „Il Postiglione“. Man schaut in viele müde, aber glückliche Gesichter.

Und morgen gibt es dann noch einmal viel Musik…

25. Oktober 2015

Heute nun gibt es das letzte Konzert unserer Reise in der Kirche Santa Maria dell‘ Anima. Sie ist Kirche der deutsch sprechenden Katholiken in Rom, ein reich ausgestatteter Renaissance-Bau der, wie wir später bemerken werden, eine gute Akustik hat.

Nach dem Frühstück in unserer Unterkunft ist noch ein bisschen Freizeit angesetzt, ehe es um 13 Uhr zur Kirche geht. Dort erfolgt dann eine intensive Probe, bevor um 17 Uhr das Konzert beginnt. Der Kirchenraum ist bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar an den Wänden stehen die Menschen dicht beieinander, um den Mädchen zuzuhören. Und wie sie wieder singen, diesmal auf der Orgel begleitet! Man hat den Eindruck, dass sich der Applaus mit jedem Stück ein bisschen steigert. Natürlich hat auch der traditionelle „Chorstreich“, eine beim letzten Konzert stattfindende Überraschungseinlage seitens der Mädchen, seinen Platz, diesmal in Form einer Begleitchoreographie zu einem Humperdinck-Duett.

Der Jubel bei der Zuhörerschaft ist groß, einige der anwesenden Kleriker können sich dem nur mühsam anschließen. Als das Konzert beendet ist, bilden die Mädchen – ebenfalls ganz überraschend – im Mittelgang mit ihren Chormappen ein Spalier, durch das Gudrun Schröfel und Nicolai Krügel Arm in Arm hinausziehen.

Nach dem Konzert werden wir von vielen Zuhörern zu den Stücken und der Arbeit im Chor befragt. So ist z.B. eine Dame aus Finnland sehr angetan von der zeitgenössischen Musik im Programm, diese hätte in ihrem Heimatland einen großen Stellenwert. Das Alter der Mädchen, die Arbeitsweise im Chor, die Probenzeiten und vieles mehr werden noch angesprochen, bevor es dann in unser Lokal zum Abendessen geht. Das „Il Corallo“ bietet uns ein fabelhaftes Menu mit regionalen Köstlichkeiten. Außerdem wird der Wunsch nach einem Lied geäußert, dem die Mädchen mit „Värmeland“ gern nachkommen. Da ruht dann für einen Moment der gastronomische Betrieb, Pizza, Pasta und Parmaschinken werden mit leichter Verzögerung serviert. Zufällig ist ein Schwede unter den Gästen, der sich überschwänglich bei Gudrun Schröfel bedankt und den Chor gar für einen schwedischen gehalten hat…

Fröhlich und gut gesättigt verlassen wir das Restaurant und begeben uns zu unserem Bus. Kay Artal verwöhnt die Mädchen noch mit einer „Sightseeing-Tour“ durch das nächtliche Rom – das ist ein gelungener Abschluss dieses Tages.

Morgen geht es dann langsam in Richtung Heimat…

26. Oktober 2015

Pünktlich um 10 Uhr verlassen wir, nachdem wir den Nönnchen zwei Abschiedslieder gesungen haben, unsere „Casa della Maria“, fahren los – und beenden den ersten Teil der Reise nach 45 Sekunden: In unserer Straße, in der alle Autos nach italienischer Art im Halteverbot parken, hat sich ein/e Fahrer/in so keck schräg an den Rand gestellt, dass für den Bus kein Durchkommen ist. Es wird gehupt, wir versuchen, das Auto an die Seite zu „wippen“, suchen nach Helfern, doch alles scheint frustran. Aber wir haben nicht mit den findigen Italienern gerechnet. Wieselflink verbreitet sich die Nachricht unter verschiedenen Anrainern und nach 20 Minuten kommt mit wehenden Haaren eine junge Frau gelaufen, schaut nicht rechts noch links und schafft ihren Opel aus dem Weg. 

An dieser Stelle muss ich einmal unserem Busfahrer Kay Artal und seinem Gefährt die Ehre geben. Wir haben einen langen Reisetag vor uns, die Koffer sind wieder passgenau verstaut worden und los geht es auf für 720 km bis ins Innsbrucker Land. Nicht nur, dass wir immer mit heißem Kaffee verwöhnt werden, sorgt sich Kay um das Wohl der Mädchen auf rührende und fast väterliche Art und Weise. Kein Problem, das nicht lösbar, kaum ein Wunsch, der nicht erfüllbar wäre. So fährt er uns sicher durch die Toscana, vorbei am Gardasee (diesmal links von uns gelegen!) und Verona bis ins deutlich kältere Tiroler Land. Auf unserer Fahrt begleitet uns ein am Tag wolkenloser, in der Nacht tiefblauer (Sternen)Himmel. Der Vollmond trägt zur romantischen Stimmung ebenfalls bei, so dass wir wohlgemuth (wie Schumanns Jäger!) im kleinen Matrei in Tirol ankommen, uns auf Speisesaal und Zimmer verteilen und unseren letzten Abend ausklingen lassen.

27. Oktober 2015

Das Ende ist natürlich schnell erzählt. Wir verlassen Matrei eine Stunde früher als geplant und fahren durch eine zauberhafte Herbstlandschaft über den Fernpass auf der Landstraße nach Deutschland. Der Grenzwechsel gestaltet sich problemlos, allerdings ist kurz hinter der Grenze die A7 gesperrt, so dass wir unser Landstraßenabenteuer noch ein bisschen ausdehnen müssen und dabei etwas Zeit verlieren. Doch ist die Stimmung gut, die Mädchen singen glockenhell fröhliche Lieder, als ob sie ihre Stimmen niemals in Konzerten angestrengt hätten. Unterwegs entlassen wir Lena in Würzburg und Lea in Göttingen „in die Freiheit“ und erreichen (singend!) unser Ziel, die Christuskirche, pünktlich um 21.30 Uhr. Viele Eltern erwarten ihre Töchter, allen ist die Freude über’s Wiedersehen anzumerken.

Damit geht eine überaus harmonische Chorreise zu Ende. Und, liebe Eltern, die Sie/Ihr diese Zeilen vielleicht lesen/lest: Es sind fabelhafte Menschen, die da ihr Bestes gegeben, professionell gesungen und sich untadelig benommen haben. Es war eine Freude, mit diesen Mädchen eine solche Reise machen zu können.

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1975  Frankreich & Belgien

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1966  Schweiz & Österreich

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1956  Hessen u. Südniedersachsen