Mehr über den Mädchenchor

Reisetagebuch Spanientournee 2018 Mädchenchor Hannover

Texte und Fotos: Dr. Martina Lehnhardt

05.10.2018          1. Reisetag. Start unserer Spanienreise

Pünktlich startet der Mädchenchor am frühen Morgen in Hannover seine Konzertreise, freundlich von zahlreichen Eltern und Freunden verabschiedet. Ohne besondere Vorkommnisse wechseln wir in Stuttgart den Flieger nach Bilbao.
In diesem Flugzeug fällt der Besatzung auf, dass sie einen Mädchenchor zu Gast hat.

Auf besonderen Wunsch der Crew singt der Chor „Jäger wohlgemut“, wird mit Applaus der Mitreisenden belohnt und kann sich sicher sein, dass alle, die gerade über Frankreich nach Spanien unterwegs sind, nun noch „wohlgemuter“ ihre Reise fortsetzen.

In diesem Jahr ohne Jetlag, landet der Chor wohlbehalten im sonnigen Bilbao. Ein freundlicher spanischer Busfahrer empfängt uns mit dem Bus, mit dem wir auch die nächsten Städte besuchen werden.

Zunächst geht es allerdings zum Guggenheim Museum, dessen geschwungene, titanüberzogene Oberfläche im Sonnenschein glitzert und alle Blicke auf sich zieht. Dieser weltberühmte Bau von dem amerikanischen Architekten Frank O. Gehry wurde 1997 eröffnet. Zu einem Zeitpunkt, als die frühere Industriestadt durch eine hohe Arbeitslosigkeit belastet war. Die Krise in der Metallindustrie hatte der Stadt schwer zugesetzt. Mehrere Initiativen der Stadtväter, allen voran der Bau des Guggenheim Museums, hauchten der Stadt neues Leben ein. Das Museum wurde zu einem Tourismusmagneten und versetzte die Stadt Bilbao in prosperierenden Taumel, der sich positiv auf das gesamte Land auswirkte.
Der sogenannte „Bilbao-Effekt“.

Während Luisa Braun uns während der Weiterfahrt etwas über die historischen Ereignisse der Stadt Gernika während des spanischen Bürgerkrieges erzählt, fahren wir durch eine wunderschöne Landschaft in die heilige Stätte des Baskenlandes.
Zum Mittagessen gibt es dort für viele die typisch spanischen „tapas“. Köstlich!

Nach einer Regenerationsphase beginnt die Konzertprobe und anschließend findet der Höhepunkt des Tages statt: ein wunderschönes, abwechslungsreiches Mädchenchorkonzert mit europäischen Gesängen. Das Publikum ist vom Chor und den vielen Solisten, allen voran natürlich Sina Günther, Anna-Carolin Schote und Theresia Marie Wessel, begeistert.
Das kommt nicht nur durch den anhaltenden Applaus, sondern auch durch Bravo-Rufe zum Ausdruck.

Zum Abschluss des Tages gibt es noch ein typisch spanisches Abendessen und dann fallen alle müde ins Bett.

¡Buenas noches!

  • Zweiter Reisetag. Gernika – San Sebastián – Errenteria

Der Vormittag des Tages wird für einen Stadtrundgang durch Gernika genutzt. Herr Richter, der für das Goethe-Institut arbeitet und seit zehn Jahren in Gernika lebt, führt uns durch die Stadt. Gernika wurde 1366 gegründet und wird seitdem von den Basken als heilige Stadt verehrt, da sie das Symbol des Kampfes um die Unabhängigkeit ist.

In Gernika befindet sich oberhalb der Stadtmitte das heilige Nationalsymbol der Basken, eine Eiche, unter der bis 1876 die Ältestenräte aus dem ganzen Baskenland jährlich zusammenkamen, um eine Form von direkter Demokratie auszuüben. Der Baum wird jeweils, wenn er abstirbt, durch eine Neupflanzung aus den Früchten des alten Baumes ersetzt.

Wie wir heute noch einmal erzählt bekommen, flog ausgerechnet auf diese Stadt am 26. April 1937, während des Spanischen Bürgerkriegs, die deutsche Legion Condor den berüchtigten Luftangriff. Bei den darauf folgenden Großfeuern kamen mehrere hundert Menschen, nahezu ausschließlich Zivilisten, ums Leben, die Stadt wurde großflächig zerstört. Der Name Gernika gehört damit zu den „Sinnbildern“ des modernen Krieges.

Pablo Picasso verarbeitete die Schrecken dieses Angriffs in seinem Bild „Guernica“. Für jeden von uns ist es sehr eindrucksvoll vor dem 3,5 x 7,7 Meter großen Monumentalgemälde zu stehen. Unter anderem sehen wir rechts eine brennende Frau mit erhobenen Armen, links im Bild eine trauernde Frau mit totem Kind im Arm. Ein schreckliches Szenario in grau, weiß und schwarz.

Dann geht es nach San Sebastián, einem ehemals mondänen Seebad am Golf von Biscaya. Hier genießen die Mädchen Freizeit am Strand oder beim Shopping oder beim Bummeln durch die malerische Altstadt. Kennern zufolge gibt es hier die besten und variantenreichsten Tapas des Landes, auf baskisch „pintxos“. Aber es gibt auch köstliche Süsswaren, zB Churros, ein längliches Traditionsgebäck, das in dickflüssige Schokolade gedippt wird.

Nach einer kurzen Weiterfahrt nach Errenteria werden die Mädchen herzlich von ihren Gastfamilien aufgenommen. Die Gastfreundschaft gipfelt in einem gemeinsamen mehrgängigen, landestypischen baskischen Abendessen, das von mehreren „Choreltern“ des Chores „Zaria“ gekocht wird. Der Chor bedankt sich mit einem spontanen Ständchen.

Jetzt freuen wir uns auf das morgige Konzert!

07.10.2018          3. Reisetag. Errenteria

Den heutigen Sonntag verbringen alle mit ihren Gastfamilien. Einige besichtigen die kleine hübsche Altstadt von Errenteria, einer Stadt in der spanischen autonomen Provinz Gipuzkoa.

Die Stadt liegt nur 10 km von der französischen Grenze entfernt. Marilou wohnt mit ihrer Gastfamilie zum Beispiel in Frankreich. Andere Mädchen machen mit ihrer Familie einen Ausflug an die Küste, so wie Mieke.

Und manche verbringen den Tag mit ihren Gastfamilien im Aquarium im nahe gelegenen San Sebastián.

Wir genießen eine außerordentlich herzliche Gastfreundschaft.

Am Abend findet nach einer Probe das gemeinsame Konzert mit dem „Zaria koru“ statt. Konzertsaal ist eine Kirche. Die Parroquia Nuestra Señora de Fátima ist sehr gut besucht. Der spanische Chor beginnt und begeistert mit einem kurzen, abwechslungsreichen Programm. Den Schwerpunkt des Konzerts liegt jedoch beim Mädchenchor.

Natürlich habe ich als Mutter zweier Sängerinnen eine besondere Beziehung zu diesem Chor. Als Begleitung der Mädchen ist diese jetzt allerdings deutlich intensiver geworden. Ich bin wirklich berührt von der meisterhaften Ausdruckskraft der Sängerinnen. Auch wenn ich immer noch nicht jeden Namen kenne, so ist mir doch jedes Gesicht vertraut. Und die Verwandlung der Mädchen von einem „normalen Teenie“ am Vormittag zu einer leidenschaftlichen Sängerin im Konzert ist unbeschreiblich.

Das spanischen Publikum ist auch hellauf begeistert. Sie schätzen besonders die baskischen Liedansagen unser Sopranistin Lore Kildal Capatina. Lores Sprachkenntnisse waren in den letzten Tagen schon an verschiedenen Stellen sehr hilfreich.

Die Zuhörer applaudieren ausdauernd dem gesamten Chor und natürlich auch den zahlreichen Solisten. Viele Passagen werden von kleinen Besetzungen gesungen.

Zum Schluss singen beide Chöre gemeinsam, bevor sich alle herzlich bis zu den Chortagen im Juni 2019 in Hannover verabschieden.

08.10.2018          4. Reisetag. …nach Madrid!

Der Reisetag macht seinem Namen alle Ehre, denn wir reisen heute, nach einem herzlichen Abschied von den Gastfamilien, weiter nach Madrid.
Herr Held hat auf der Hälfte der Strecke für uns einen Zwischenstopp eingeplant. Und so erreichen wir das wegen seiner Kathedrale berühmte Burgos. An der Bushaltestelle erwartet uns eine deutschsprachige Stadtführerin, die sich mit uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt aufmacht.

Über den Arco de Santa Maria betreten wir die Altstadt. Dort wachen kastilische Helden und Könige.

Unübersehbar erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe die Kathedrale de Santa Maria. Ein eindrucksvoller gotischer Bau, der an den Kölner Dom erinnert und auch etwa zur selben Zeit gebaut wurde. Grundsteinlegung war im Jahr 1221 (sehr leicht zu merken, wie die Stadtführerin mehrfach betont). Einer der Bauherren war denn auch Juan de Colonia, Hans von Köln. Die Kirche wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Wir haben sogar die Zeit, einen kurzen Blick ins Innere der Kirche zu werfen, dessen Mittelschiff sich auf gewaltigen Pfeilern erhebt. In der Kathedrale ruhen unter anderem die Gebeine von El Cid. Die Stadt Burgos ist eng mit dem spanischen Nationalhelden El Cid verbunden. Rodrigo Díaz de Vivar wurde um 1043 in der Nähe von Burgos geboren und wurde zur Leitfigur des Kampfes der Christen gegen die maurische Herrschaft.

Burgos ist heute auch eine wichtige Station auf dem Camino, dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Und nicht nur müde Pilger ruhen sich gerne neben der Statue des Pilgers aus.

Nach der Führung kommen wir in ein typisch spanisches Restaurant, wo die Tische schon für uns gedeckt sind.

Der Reisebus fährt mit uns weiter durch eine sich deutlich wandelnde Landschaft. Die grünen Berge des Baskenlandes weichen trockenen Ebenen. Die Farbe der Landschaft ist jetzt Ocker. Abgeerntete Felder, vertrocknete Sonnenblumen, aber auch Weiden, auf denen ein Schafhirte mit seiner Herde unterwegs ist, so präsentiert sich uns die vorüberziehende Landschaft. Währenddessen üben einige Mädchen im Bus für das nächste Konzert, andere halten ein Nickerchen.
Bei guter Sicht sehen wir schon aus 60 km Entfernung Madrid.
Dort angekommen, beziehen wir ein schönes altes Hotel. Das Treppenhaus empfängt uns mit Stuckdecken und ausgetreten Stufen.
Wer hier wohl schon alles gewohnt hat?

Nach einem gemeinsamen Abendessen, sammeln wir Kräfte für den nächsten Tag, denn morgen geht’s zum „Colegio Alemán“ mit Probe, Workshop und Konzert.

09.10.2018          5. Reisetag. Konzert in Madrid

Herr Martinus, Lehrer an der Deutschen Schule in Madrid heißt uns willkommen.

Die erst vor 3 Jahren eröffnete Schule ist eine integrierte Begegnungsschule in privater Trägerschaft, die dem Gedanken der interkulturellen Begegnung verpflichtet ist.

In der „Werner-von-Siemens Aula“ findet mit Schülern des Musikkurses des 10. und 11. Jahrgangs, unter der Leitung von Frau Professor Schröfel bei dem gemeinsamen Workshop, zunächst ein intensives Voice Training statt.

Anschließend probt Herr Felber mit beiden Chören, also auch Männerstimmen, das Stück „fascinating rhythm“. Auch die spanischen Schüler sind mit Eifer dabei. Die Madrilenen wohnen dann einer Probe des Mädchenchores unter Frau Schröfel bei. Sie demonstriert eindrücklich, wie man das romantische Lied „Der Wassermann“ von Robert Schumann ausgestalten kann. So wird zum Beispiel auf die Intonation und die Homogenität der Vokale besonderen Wert gelegt.

Das sich anschließende gemeinsame Konzert wurde auf großen Plakaten angekündigt:

Es wird – wie zu erwarten war – ein voller Erfolg. Sowohl der Part des Mädchenchores,

als auch das gemeinsame Schlusslied

werden begeistert mit schallendem Applaus belohnt.
Nach einem Mittagessen in der Mensa der Schule verabschieden wir uns bis zum April 2019. Dann werden uns 40 Schüler/innen in Hannover besuchen.

Jetzt ist erstmal eine kleine Siesta im Hotel angesagt.

Und dann…, psst, noch geheim, dann soll es eine Überraschung geben ……

Wir treffen uns zu einem gemeinsamen Abendessen

und gehen dann über die Plaza Mayor zu einer kleinen Taberna.

Und: Die Überraschung ist dem Chormanagement unter Herrn Held nun wirklich perfekt gelungen!
Wir gehen zu einer Flamenco-Show! In dem Raum haben wir an kleinen Tischen alle Platz. Vor uns befindet sich eine Bühne und bald beginnt das Konzert, zunächst mit einem virtuosen Gitarrenspiel (guitarra) bei dem die Spielhand des Gitarristen typischerweise wie ein geöffneter Fächer über die Saiten gleitet.
Zum Flamenco, der 2010 zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde, gehört traditionell auch der Gesang (cante). Ein Sänger und eine Sängerin erzählen uns mit ihren teilweise orientalisch anmuteten Melodien, deren Töne zwischen den vertrauten Tonleitern liegen, eine Geschichte voller Leidenschaft. Auch wenn wir den Inhalt nicht wörtlich verstehen, sind wir alle gefesselt, besonders als die Flamencotänzerin ihre Emotionen in ihren kraftvollen, rhythmischen Bewegungen und ihrer Mimik ausdrückt.

Am Ende des begeisternden Programms dürfen einige Mädchen Grundkenntnisse im Flamenco auf der Bühne erlernen. Sie meistern das bravourös.

Mit standing ovations feiern wir die Flamencodarsteller, denen, als sich der Mädchenchor mit dem Lied „Värmlandsvisan“ bedankt, die Tränen in den Augen stehen.
Hier begegneten sich zwei sehr unterschiedliche Musikstile, die beide mit großer innerer Beteiligung vorgetragen wurden.
Ein unvergesslicher Abend!

10.10.2018          6. Reisetag. Madrid

Heute lernen wir Madrid zunächst vom Bus aus kennen. Isabell, eine deutschsprachige Madrilenin, begleitet uns auf unserer Stadtrundfahrt. Sie erzählt uns viel über die Stadtentwicklung, das kontinentale Klima und verschiedene Baustile. Wir starten unweit des Neptunbrunnen und fahren durch elegante Straßen, deren Häuser wunderschöne Fassaden im Pariser Stil haben und allesamt im 18. Jahrhundert gebaut wurden.

Einen Kontrast stellt das Atocha-Denkmal dar, das wir am Bahnhof passieren und das an den 2004 verübten Anschlag von al-Quaida mit 192 Toten erinnert. Wir passieren die größte Stierkampfarena Spaniens im Stadtviertel Salamanca und einige wundern sich, dass es dieses umstrittene Ritual noch gibt.
Etwas später halten wir am Santiago-Bernabéu-Fußballstadion von Real Madrid an.

Als wir auf dem Rückweg zur Innenstadt am Palacio de Cibeles vorbeikommen, steigen wir lieber nicht aus. Das ehemalige Hauptpostgebäude beherbergt die Stadtverwaltung.

Kurz darauf am Palacio Real scheint die Sonne wieder.

Mit Isabell gehen wir bis zu einer kleinen Anhöhe, von der aus wir auf die Kathedrale Nuestra Señora de la Almudena schauen. Für diese Kirche wurde 1883 der Grundstein gelegt und erst 1993 wurde sie vom Papst geweiht.

Nach einem leckeren Mittagessen

gehen die Mädchen in Kleingruppen durch die Stadt. Ein begehrtes Ziel sind die Chocolaterias.Besonders die Churros mit der dickflüssigen Schokolade haben es vielen von uns angetan.

Bestimmt haben auch viele das Cervantes Denkmal besucht. Man kann Don Quichotte und seinen Diener Sancho Panza bestaunen. Über den beiden Bronzefiguren thront in der Sonne Cervantes.

Fast jeder sieht außerdem das Wappen Madrids als Denkmal auf der Plaza de la Puerta del Sol.

Gemütlich klingt der letzte gemeinsame Abend aus. Morgen geht es nach Barcelona. Dort werden einige Mädchen wieder in Gastfamilien wohnen.

¡Hasta mañana!

11.10.2018          7. Reisetag. Madrid nach Barcelona

Heute brechen wir mit dem Bus von Madrid nach Barcelona auf. Alle suchen sich ihre Beschäftigung.

Für mich ergibt sich die Gelegenheit, Sina Günther zu interviewen, die uns sowohl als Aufsichtsperson als auch als Solosopranistin auf dieser Konzertreise durch Spanien begleitet.

Karriere einer Mädchenchorsängerin

Sie erzählt mir, dass sie bereits im Alter von 10 Jahren Gesangunterricht an der Musikschule in Bad Münder erhalten hat. Allmählich entwickelte sich die Liebe zur klassischen Musik und der Wunsch, Opernsängerin zu werden. Das Gymnasium in Hameln hatte einen Schwerpunkt für Musik. Dort sang Sina mehrmals im Jahr bei Konzerten, die im Theater in Hameln stattfanden.

Sina hatte mit 13 Jahren einen Aufritt bei der Hochzeit ihrer Tante. Ein Zuhörer aus Hannover empfahl ihr im Anschluss an das Konzert eine Vorstellung beim Mädchenchor Hannover.
Tatsächlich war Sinas Leidenschaft für den Gesang so groß, dass sie die weite Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Kauf nahm und beim Mädchenchor vorsang. Mit 13 Jahren wurde sie direkt als Quereinsteigerin in den Konzertchor aufgenommen. Gerne probte sie 5 Stunden pro Woche mit dem Chor und war glücklich, als sie später – sogar alleine – bei Frau Schröfel Stimmbildung erhielt.

Sechs Jahre lang sang Sina beim Mädchenchor, bei dem sie das professionelle Arbeiten geschätzt und die Gemeinschaft geliebt hat. Großartig sei es übrigens auch gewesen, über den Mädchenchor mit Berufsmusikern zusammenzuarbeiten und in großen Konzertsälen auftreten zu können – überhaupt auf dieser professionellen Ebene so viel erlebt zu haben.

Nach dem Abitur hat sie sich über ein Jahr lang intensiv auf die Aufnahmeprüfung für ein Gesangsstudium vorbereitet. Nebenbei hat sie im Chorbüro ausgeholfen, jüngeren Mädchen aus dem Chor Stimmbildung gegeben und natürlich während des ganzen Jahres im Chor mitgesungen.

Während der letzten Jahre gab es immer wieder Auftritte bei verschiedenen Konzerten im In- und Ausland und bei anderen Gelegenheiten. Kürzlich hat die Sopranistin sogar ein eigenes Konzert in der Münsterkirche in Hameln gegeben.

Verdi ist Sinas Lieblingskomponist. Sie liebt seine Opern und singt gerne seine Lieder. Aber auch Mozart sei faszinierend. Lieblingslieder könnte sie viele benennen, jedes habe seine speziellen und liebenswerten Eigenschaften. Aber sie habe eine Lieblingsoper und diese sei „La Bohème“.

2017 wurde Sina dann an ihrem Wunschort, der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig aufgenommen und studiert dort seitdem bei Prof. Caroline Stein Gesang.
Nur 13 Studierende sind in diesem Jahrgang dabei – und das ist schon ein großer Jahrgang.
Spannend findet die Sängerin die internationale Zusammensetzung der Studierenden, denn viele kommen aus dem außereuropäischen Ausland. Sie genießt das Studium und ist dankbar, ihren Traum verwirklichen zu können.

Sechs Jahre dauert das Studium und dann schließt sich hoffentlich der Traum vieler an, auf einer großen Opernbühne zu singen.

Eine besondere Ehre sei es nun, den Konzertchor auf dieser Reise zu begleiten und sogar während der Konzerte eigene Auftritte zu haben. Sina singt „Die Lotusblume“ von Robert Schumann und von Mozart die Arie der Despina „In uomine“ aus „ Così fan tutte“. Außerdem können wir ihre Stimme bei Rossinis „La carita“ und bei „Salut printemps“ von Debussy genießen.

Wir freuen uns auf das nächste Konzert.

Nach mehreren Pausen und der Begegnung mit dem Nullmeridian erreichen wir Barcelona.

Ein Teil der Mädchen wird von freundlichen Gastfamilien aufgenommen, die anderen kommen in einem Hostel unter.

Morgen erwartet uns ein spannender Probe-/Konzerttag!

 

12.10.2018          8. Reisetag. Barcelona und Palau Mittagskonzert

Der Tag beginnt mit einer Probe des Mädchenchores im Palau de la Música de Catalana. Das 1905-1908 von Domènech i Montaner errichtete Konzerthaus beeindruckt schon von außen: Dort sind bildhauerische Elemente, die sich auf die Musik beziehen mit barocken Bauelementen gemischt. Im Inneren wollte der Architekt einen „Garten für die Musik“ gestalten und bezog für seine blumigen, farbenfrohen Elemente auch Glas und Keramik ein. Besonders typisch sind Mosaikmuster.

Nach der Probe erhalten wir eine Führung durch das wunderschöne Gebäude des Modernisme, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Besonders beeindruckend ist der Konzertsaal mit mehr als zweitausend Sitzplätzen. Saal und Bühne bilden eine harmonische Einheit. Die Bühne wird im oberen Bereich von Orgelpfeifen dominiert. Zum Abschluss der Führung hören wir die Orgel mit „Toccata und Fuge in d-Moll“ von J.S. Bach.

Unter den Pfeifen inspirieren Musen die Musiker und Zuhörer.

Die große Glaskuppel symbolisiert die Sonne des Musikgartens und lässt Tageslicht herein.

Im Anschluss gibt der Mädchenchor Hannover das Mittagskonzert in dieser historischen Kulisse und diesem bedeutenden Konzertsaal.
Die Mädchen singen vor einem staunenden Publikum ein a cappella Programm mit folgenden Werken:

„Sanctus“ von Caplet
„Sancta Maria“ von Nyström
„Der Wassermann“ von Robert Schumann
„Värmlandsvisan“ von Hugo Alfèn

Dieser Genuss ist nur ein Vorgeschmack auf das größere Konzert am Sonntag.

Nach einer wohlverdienten Pause beginnt eine Probe zusammen mit dem katalanischen Chor „Cor de Noies de l´Orfeó Català“.
Fast hundert Mädchen singen zusammen. Zunächst studieren die Mädchen mit der spanischen Chorleiterin Buia Reixach „Dues cançons populars catalanes“ ein. Der spanische Text der Volksweisen wird vorher übersetzt.  Mit Herrn Felber singen die Sängerinnen das „Salve Regina“ von Busto und mit Frau Schröfel wird das schwedische Lied „Värmlandsvisan“ geübt. Auch jetzt wird der Text zunächst für alle verständlich übersetzt, damit der Gesang den Inhalt unterstreichen kann.
Es folgt die Probe des Stückes „Miserere“ von Gregorio Allegri mit der spanischen Chorleiterin.

Nach dem Abendessen fallen alle müde ins Bett. Morgen fahren wir nach Cervera. Beide Chöre werden in der Universität gemeinsam auftreten.

13.10.2018          9. Reisetag. Konzert in Cervera

Mit Herrn Held als Stadtführer erkunden wir am Vormittag Barcelona. Gemeinsam schlendern wir über die berühmte Flaniermeile Barcelonas, die Ramblas,

genießen das vielfältige Angebot von frischem Obst, Fisch und spanischen Delikatessen in der Markthalle und treffen zufällig Sängerinnen des Zaria Koru aus Errenteria wieder. Die Wiedersehensfreude mit den Gastschwestern ist groß.

Weiter geht es durch das Barrio Gótico, dem ältesten Stadtviertel Barcelonas, zum Plaça Reial (katalanisch für Königlicher Platz). Der rechteckige Platz ist von allen Seiten von gotischen und Renaissance-Gebäuden umgeben. In der Mitte des mit Palmen bepflanzten Platzes befindet sich ein Brunnen, dessen Rand sich hervorragend für eine kleine Eiszeit eignet.

Nach dem Mittagessen geht es mit dem Bus nach Cervera, dem früheren Sitz der Universität von Barcelona.
Dort ist in der Universität ein gemeinsames Konzert mit dem „Cor de Noies“ geplant.

Und dieses Konzert ist das beste der bisherigen Reise. Die Freude und Professionalität, mit der die Mädchen singen, ist ansteckend und macht das musikalische Erlebnis zu einem Hochgenuss.

Und als besonderes Überraschungsmoment kommt heute noch der „Chorstreich“ dazu. Der Chorrat hat sich etwas Besonderes ausgedacht, um die Chorleitung zu überraschen. Sie haben sich eine Choreografie zu dem Lied „ Der Wassermann“ von Schumann ausgedacht. Marilou überzeugt als Linde, um die mehrere Jungfern tanzen. Der fremde Jüngling Imke reicht der schönen Maid Sulamith die bleiche Hand und tanzt mit ihr in die Wellen des Neckars hinein, während Mutter Theresia um die Tochter weint. Eine sehr beeindruckende Inszenierung.

Großartig sind auch wieder die Soli, gesungen von Anna Schote und natürlich von Sina Günther.

Auch Amalie Ernst und Lisa Thomae ernten viel Beifall und werden mit jeder Aufführung noch besser. Nicht unerwähnt bleiben soll auch das Terzett mit Anna Schote, Imke Constapel und Lemona Simon.

Zufrieden und glücklich fahren alle zurück nach Barcelona und träumen vielleicht vom morgigen Konzert, dem Höhepunkt der Reise!

14.10.2018          10. Reisetag. Konzert Palau de la Música

Am Morgen werden die Koffer gepackt, die Mädchen singen im Hostel noch ein Abschiedslied und machen sich mit dem Markenzeichen der Gruppe, den roten Kleidersäcken, auf den Weg zum Petit Palau.

Zu einem Saal innerhalb des großen Palau de la Música Catalana, dem Sitz des Orfeó Català, dem bedeutendsten Chor Kataloniens.

Der Chor hat tatsächlich eine eigene Garderobe:

Nach Einsingen und Probe beginnt das ersehnte Konzert. Der Saal ist sehr gut besucht und unter den Gästen befinden sich sogar zwei ehemalige Chormitglieder. Eine Sängerin, die vor mehr als zwanzig Jahren beim Chor mitgesungen hat und unsere liebe Rixte Gerdes, die bis vor kurzem zum Ensemble gehörte.
Im Programm gibt es ein paar kleine Änderungen; so werden noch die „Litanies à la vierge noire“ von Francis Poulenc vorgetragen, was für eine Bereicherung!
„La carità“ von Rossini ist auch wieder dabei und wird so konzentriert, genau und gefühlvoll gestaltet, dass ich am Ende des Stückes meine, selten etwas so Schönes gehört zu haben.
Ich habe mir spaßeshalber verschiedene Varianten von „ La carità“ auf YouTube angehört und keine Fassung gefunden, deren Klang annähernd so gut wie der unseres Chores ist.

Jetzt endlich muss auch einmal unser hervorragender Pianist Nicolai Krügel erwähnt werden. Ein absoluter Perfektionist, der nicht nur die Töne, sondern auch die emotionalen Zwischentöne genau trifft und den Chor ideal begleitet.

Auch heute gibt es, in dem abwechslungsreichen Programm wieder zahlreiche Soli. Lisa Thomae

Anna Schote, Sina Günther, Imke Constapel, Theresia Wessel und Lemona Simon.

Und als „Due gatti“ Johanna Stegemann und Helena Simon.

Zum Abschluss, nachdem der Cor de Noies de l´Orfeó Català gesungen hat, gibt es noch drei gemeinsame Lieder, jeweils von einem anderen Chorleiter dirigiert.

Es ist wieder einmal das beste Konzert!

Glücklich feiern die Sängerinnen ihren Erfolg.

Nach einem gemeinsamen Goodbye-Lunch begeben wir uns auf die Rückreise.
Mit einer Stunde Verspätung fliegen wir los. Am Düsseldorfer Flughafen stellen wir fest, dass sechs Gepäckstücke fehlen. Die Aufklärung dieser Panne dauert seine Zeit.
Es ist schon hart für die Mädchen erst um 3.30h am Montagmorgen in Hannover anzukommen. In wenigen Stunden beginnt die Schule.
Gut, dass die großartigen musikalischen Erlebnisse und das Gemeinschaftsgefühl des Mädchenchores Hannover die Müdigkeit (auch der Eltern, die die Ankommenden in Empfang nehmen?) aufwiegen.

Es war eine gelungene Konzertreise!
Bravo, ihr Mädchen, ihr seid alle großartig!

1.10-12.10.16

Die NDR Radiophilharmonie und der Mädchenchor Hannover waren in diesem Jahr fast zeitgleich zu einer Konzerttournee nach China eingeladen. Der MCH vom 1. – 12.Oktober, die RPH vom 11. – 23. Oktober 2016.
Der Mädchenchor Hannover wurde von der chinesischen Konzertagentur „Mao“ eingeladen und in der Organisation der Reise von „China Concerts“ unterstützt. Die Reise wurde u.a. von der Chinesischen Botschaft, dem Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut und dem MWK gefördert. Unsere Konzertorte waren Shanghai, Jinsheng, Tianjin, Beijing. In der Shanghai Concert Hall und der Tianjin Concert Hall konzertierte der Mädchenchor in denselben Konzertsälen wie die NDR-Radiophilharmonie einige Tage später.

01.10.2016 – Reisetag

Gegen 16.00 Uhr nimmt Frau Qing Liu-Weiberlenn, unsere Konzertmanagerin von China Concerts, alle Teilnehmerinnen der Konzertreise des Mädchenchor Hannover  am Flughafen in Empfang. Die Stimmung ist – wie immer bei Reiseantritt – gut. 

02.10.2016 – Shanghai

Nach anstrengender Reise endlich in Shanghai. Am Flughafen werden wir mit einem riesigen Blumenstrauß von unserer Reiseleiterin, Frau Zhao empfangen. Die Busfahrt zu unserem Hotel zeigt das übliche Vorstadtgrau, zahlreiche Plattenbauten gigantischen Ausmaßes und Hochhäuser, so weit das Auge reicht. Unser Hotel, das Huajing, liegt im Nordosten der Stadt.

Ein chinesisches Abendessen wird prompt geliefert und erstaunt uns in seiner fremdländischen Exotik so sehr, dass es der einen oder anderen glatt den Appetit verschlägt.

Der Abend wird nicht lang, alle haben ein bisschen Schlaf nachzuholen und wollen für das morgige Konzert gut ausgeruht sein.

03.10.2016 – Shanghai (Shanghai Concert Hall)

Nach dem chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober haben die Chinesen einige Ferientage zusätzlich und die Stadt ist voller Menschen. Wir hoffen also auf guten Besuch unserer Konzerte. Um 14.30 Uhr geht es zu unserem ersten Konzertort auf dieser Reise, der Shanghai Concert Hall. Der monumentale Stil mag aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen, gewiss ist die Zeit ein bisschen darüber hinweg gegangen, doch finden wir einen Konzertsaal mit hervorragender Akustik für 650 Zuhörer vor. Auf dem Plakat werden übrigens Les Arts Florissants mit William Christie angekündigt.

Ein ausverkaufter Konzertsaal! Das heißt zusätzliche Motivation, dem Publikum das Programm so gut wie möglich zu servieren. In der Probe müssen wir uns in der Stimmbalance an den Raumklang gewöhnen: die Nocturnos von Mozart müssen noch deutlicher artikuliert werden, „Salut printemps“ von Debussy bedarf noch mehr dynamischer Differenzierung.

Im Konzert vor Publikum am Abend war der Klang sehr brilliant, die Textverständlichkeit äußerst klar, so dass in dem chinesischen Chorsatz, auswendig gesungen, für die Chinesen jedes Wort verständlich war.

Die Zuhörer – ein ausgesprochen aufmerksames und offensichtlich fachkundiges Publikum – hörten sehr interessiert zu – keine Selbstverständlichkeit bei Chinesen – und applaudierten begeistert.

Nach dem Konzert mussten Gudrun Schröfel und die Chormädchen Autogramme geben und CDs unterzeichnen. 

In der Garderobe besuchte uns Hanna geb. Hesse, ein früheres Chormitglied, die mit ihrer Familie seit 10 Jahren in Shanghai lebt.

04.10.2016 – Shanghai (Shanghai Concert Hall)

Ein weiterer Tag in Shanghai. Nach dem Frühstück fahren die Mädchen mit der U-Bahn zum Bund, der Uferpromenade in Huangpu, die zur Expo 2010 „herausgeputzt“ wurde . Von dort hat man einen tadellosen Blick auf den Stadtbezirk Pudong mit seiner beeindruckenden Skyline, die das beigefügte Foto nur schlecht wiedergeben kann. Leider haben wir nicht viel Zeit für die Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, die diese riesige Stadt zu bieten hat. Nach Mittagessen und etwas Freizeit geht es wieder in die Shanghai Concert Hall, wo das zweite Konzert unserer Reise zu singen ist.

Im 2. Konzert hat sich der Chor noch besser an die Akustik im Saal gewöhnt, so dass die Kompositionen von Arvo Pärt und die Romanzen von Brahms und Schumann sehr ausdrucksstark und deutlich transparenter zu Gehör gebracht werden. Die Mädchen haben sich, was ihren Gestaltungswillen betrifft, noch einmal gesteigert.

05.10.2016 – Jincheng

Pünktlich um 05.30 Uhr (!) verlassen wir das „Tor zur Welt“, wie Shanghai auch genannt wird, und fahren zum Flughafen, um nach Zhengzhou zu fliegen, von wo es dann mit dem Bus nach Jincheng weitergehen soll – eine ziemlich lange Reise.

Die Fahrt über Land nach Jincheng zeigt uns Landschaften, die wir bisher in China nicht zu Gesicht bekommen haben, u.a. zerklüftete Felsregionen und hohe Berge mit tiefen Einschnitten, an deren Grund sich klare Seen spiegeln, wie wir sie von chinesischen Tuschezeichnungen kennen. Doch haben viele der Mädchen kaum einen Blick für die Landschaft, weil die müden Augen fest geschlossen sind.

Als wir unser Hotel in Jincheng erreichen, werden wir schon vor dem Eingang mit einer großen Leuchttafel begrüßt:

… ny to visit our hotel!”

Nach dem Bezug herrlicher Zimmer und einer Mahlzeit, die keine Wünsche übrig lässt (sogar „nackte Nudeln“, wahlweise mit Tomatensauce finden sich im Angebot!), teilen wir uns auf.

Die Mädchen brechen zu einer Besichtigung der Altstadt von Jincheng auf, während Frau Schröfel einen Workshop für 35 Chorleiter und den Jincheng Chor des Kunstzentrums gibt. Dieses beherbergt unter einem Dach unterschiedliche Möglichkeiten, sich künstlerisch zu betätigen, es gibt Ballet, Oper, Theater, Kunstausstellungen. Der Leiter des Art Palace ist hoch erfreut über die Möglichkeit, von einer deutschen Chorleiterin unterrichtet zu werden. Es gibt einen regen Austausch kultureller Besonderheiten der beiden Länder China und Deutschland. Neben der musikalischen Arbeit an einem chinesischen und einem deutschen Stück muss Frau Schröfel  für unzählige Fotos mit immer wechselnden Gruppierungen herhalten.

Unterdessen sind die Mädchen zum Besuch der Altstadt von Jincheng aufgebrochen. Es gibt dort eine Burganlage aus der Ming-Zeit zu besichtigen, außerdem findet just in time die Aufführung einer altertümlichen Hochzeit statt. Kurz vor der Rückfahrt zum Hotel singen die Mädchen auf dem Parkplatz Mendelssohns „Hebe deine Augen auf“ , da bleibt auch so manches chinesische Auge nicht trocken.

06.10.2016 – Jincheng (Jincheng Art Theater)

China ist ein Land großer Gegensätze, was uns tagtäglich vor Augen geführt wird. Hier Hightech vom Feinsten, da Straßenkehrer wie aus Urgroßvaters Zeiten. Hier ein vor Sauberkeit blitzender Flughafen mit Granitfliesen, von denen man essen könnte, da Treppenhäuser, die vor Schmutz starren und übele Gerüche verströmen. Hier – und das ist ein Thema, das einen MÄDCHENchor besonders bewegt – feine Toiletten in der VIP-Lounge des Jincheng Art Theater, im selben Haus aber unappetitliche Löcher, die man nicht mal ansehen, geschweige denn betreten und benutzen möchte.

Ein anstrengender Tag liegt vor uns, gleich zwei Konzerte gilt es zu absolvieren. Die Konzert-Halle ist neben 1500 Plätzen mit einer grandiosen Video-Installation bestückt, die den Chor mit einem „World Classical Chorus Concert“ ankündigt.

Der Saal ist akustisch äußerst schwierig, insofern dauert die Stellprobe sehr viel länger als geplant. Die Solistinnen müssen sich an Mikrofone gewöhnen, so dass die Choreografie der beiden Duette aus „Hänsel und Gretel“ spontan verändert werden muß. Zwei Konzerte im Rahmen eines Festivals am selben Tag, eines um 15.00 Uhr, ein zweites um 19.30 Uhr, das bedeutet eine große Herausforderung für so junge Leute. Beide Konzerte  finden in dieser sehr großen, gut gefüllten Halle statt. Der Chor wächst über sich hinaus.

Im Abendkonzert ist der Chorklang frei von Anstrengungen, die Mädchen singen lustvoll und sind begierig, jede musikalische Geste von Gudrun Schröfel umzusetzen.

Katharina Held, Maria Rüssel, Elisa Hennig (sie singt zum ersten Mal „Suse, liebe Suse“), Charlotte Pohl und Natalie Bühl sowie einige Mädchen mit kleineren solistischen Aufgaben schlagen sich in dieser wirklich schwierigen Akustik sehr beachtlich. Es ist für alle eine wichtige Erfahrung, – auch mit solchen Situationen muß man umgehen können. 

Hier erleben wir allerdings das Publikum von einer Seite, die wir bisher nur vom Hörensagen kennen: Fröhliche, schwatzende Menschen. Aber die Mädchen sind professionell genug: sie geben ihr Bestes und singen, als ob sie vor einem kunstbeflissenen, kenntnisreichen (Fach-) Publikum sängen. Auch dies gehört zur Bildung der Mädchen, die sich mit jeder Reise in ein fremdes, außereuropäisches Land vermehrt.

07.10.2016 – Tianjin

Von Jincheng nach Tianjin haben wir mit dem Bus eine 12-stündige Reise vor uns. Es regnet in Strömen, so dass die vorbeifliegende Landschaft in trübes Grau getaucht ist. Die Mädchen vertreiben sich die Zeit, indem sie Reime konstruieren, Spiele spielen, lesen und dösen.

Wir erreichen Tianjin in der Dunkelheit, doch zieht uns die Stadt sofort in ihren Bann: Phantastische Wolkenkratzer, breite, saubere Straßen, belebte Plätze mit vielen unternehmungslustigen Menschen, Brücken, die bestimmt aus Architekturwettbewerben hervorgegangen sind, dazwischen neoklassizistische Bauten. Wir checken im IBIS- Hotel am Bahnhof ein, danach geht es ins „Lokal zum Goldenen M“, eine angesichts der für manche Mädchen  schwer (oder auch ganz schnell) zu verdauenden chinesischen Küche willkommene Abwechslung. Bei der Rückkehr ins Hotel sieht man dann auch auf vielen Gesichtern eine zufriedene Sattheit oder satte Zufriedenheit, ganz nach Lesart.

08.10.2016 – Tianjin (Tianjin Concert Hall)

Der Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, herrlich blauem Himmel und dezenter Spätsommerkühle, was die Lust auf Unternehmungen in der Stadt steigert. Der Vormittag ist frei, so dass sich die Mädchen in verschiedenen Gruppen aufmachen, um Tianjin näher kennen zu lernen.   

Ein Ziel ist der Antiquitätenmarkt im Westteil der Stadt, wo es viel zu sehen gibt: Lokale Altertümer aus dem Kalligraphie- und Schnitzbereich, diverse Mineralien, Bernstein fraglicher Provenienz, Elfenbein aus Gießharz, für das sicher kein Tier gewildert werden musste, daneben viele Händler, die dampfende Köstlichkeiten anbieten, und um die wir einen Bogen machen, Kleidung, Haarkämme und -spangen undundund. Einige der Mädchen sind erstaunlich gut im Feilschen, kaum eine kommt ohne Schätze ins Hotel zurück.

Nach Mittagessen und etwas Ruhe geht es zu unserem nächsten Aufführungsort, der Tianjin Concert Hall.  Das klassische Gebäude, in dem  sich etliche Bilder der europäischen Malerei besichtigen lassen, beherbergt außerdem einen herrlichen Konzertsaal mit ausgezeichneter Akustik und einem sehr guten Steinway-Flügel: fantastisch. Und die funktionsgerechten und wunderbar ausgestatteten Backstage-Räumlichkeiten lassen uns staunen. Obgleich wir wieder eine ausführliche Probe benötigen, um den Klang auf diesen wunderbaren Saal einzustellen, sind wir begeistert von dieser hervorragenden Akustik. Zur Probe gesellen sich auch die Mädchen und Jungen des chinesischen Kinderchores, die mit den Hannoveranerinnen ein gemeinsames Lied singen. Die kleinen SängerInnen, lassen sich spielend leicht auf „unsere“ Chorleiterin ein und erhalten „nebenbei“ eine Lektion in vorzüglicher Stimmbildung.

Im abendlichen Konzert zeigen die Mädchen wieder ihr ganzes Können. Das Publikum ist heute aufmerksamer als in Jincheng, es gibt weniger Hintergrundstörgeräusche, doch hat auch hier die Hälfte der Zuhörer ein Handy vor dem Gesicht; Musik wird hier also direkt gehört und indirekt gesehen. Nach dem Konzert geht es dann zu wie beim Rockfestival:

Gudrun Schröfel kann sich kaum retten vor Fan-Fotos, Autogrammen, CD Unterschriften

09.10.2016 – Peking / Beijing (Quinghua University)

Peking / Beijing

Das Mittagessen nehmen wir in einer Art chinesischem Fast-Food-Restaurant ein, wo unsere Konzertmanagerin, Frau Liu-Weiberlenn eine für die Stadt Peking typische Mahlzeit bestellt hat. Da lässt sich für jeden Geschmack etwas finden.

Kurze Mittagsruhe und ab geht es an den Ort unseres letzten Konzerts, die Quinghua University. Diese gehört zu einer Gruppe von Elite-Universitäten, die auch international mithalten können. Der Campus ist ein sehr gepflegtes Gelände, auf dem die riesige, moderne Konzerthalle steht.Schon von außen und weitem sind die Mädchen auf einem großen Plakat sowie der Lichtreklame-Ankündigung des Tages in ihren roten Jacken gut zu erkennen.

Hier finden wir einen Konzertsaal mit optimalen akustischen Bedingungen, schon die Probe an den Rossini-Chören und dem „Ave Maria“ von Gustav Holst macht Lust auf das abendliche Konzert. Dieses findet vor einem sehr aufmerksamen und begeisterungsfähigen Publikum statt, in dem sich viele Hochschulangehörige und sehr viele junge Menschen befinden. Der 2000-Plätze-fassende-Konzertsaal ist zwar nicht ganz, aber doch gut gefüllt. Der Beifall steigert sich bis hin zu enthusiastischem Applaudieren und Bravorufen. Und da es unser letztes Konzert ist, darf natürlich der traditionelle Chorstreich nicht fehlen. Mozarts „Due pupille amabili“ erhält einen schmissigen neuen Text und die in Fußballstadien übliche La Ola-Welle wird durch Textbausteine ersetzt,

10.10.2016 – chinesische Mauer

Heute geht es zur Chinesischen Mauer, diesem mehr als 20.000 km langen Bauwerk, UNESCO Welterbe und Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. 

Nach etwa eineinhalbstündiger Fahrt von Peking mit dem Bus nach Mutianyu stellen wir fest, dass sich seit unserem letzten Besuch vor 8 Jahren sehr viel hin zu einer europäisch/amerikanisch ausgerichteten Touristenattraktion getan hat. Sahen wir damals fast ausschließlich chinesische Kleinhändler an der Mauer, finden sich nun Straßenzüge mit allem nur erdenklichen Kitsch, Plastik, Essbuden usw. Doch kann man auch hübsche Kleinigkeiten als „Mitbringsel“ für die Daheimgebliebenen erwerben. 

Um auf die Mauer zu gelangen gibt es die sportliche und die bequeme Möglichkeit. Etliche Mädchen wählen Nummer eins und laufen hunderte von Treppenstufen nach oben.  Etwas gemütlicher kann man sich mit einer Seilbahn nach oben gondeln lassen. Oben angekommen, ist das Ergebnis das gleiche: Staunen über dieses Bauwerk, herrliche Weitsicht ins Land bei strahlendem Sonnenwetter und glückliche Gesichter allüberall. Natürlich wird ein gemeinsames Erinnerungsphoto geschossen (folgt), und auch sonst haben Handys und Photoapparate viel zu tun – man wird das zu gegebener Zeit ansehen können oder müssen. Und das Wetter… sagenhaft!

  Anschließend geht es in eine chinesische Restauration, wo wir die berühmte Peking-Ente zu

essen bekommen. Nach diesem Ausflug geht es zurück in den dichten Abendverkehr Pekings und hin zum Vogelnest, das wir uns von außen ansehen, bevor wir zurück ins Hotel fahren.

11.10.2016 – Peking / Beijing

Unser letzter Tag in China.

Früh starten wir mit der U-Bahn in die Verbotene Stadt, schon das ein Abenteuer für sich. In großem Gedränge 58 Menschen, auf verschiedene Eingänge verteilt, zügig in die Waggons zu bekommen, ist gar nicht so einfach, doch die Mädchen vom MCH sind auch dabei ein starkes Team.  Viel schwieriger gestaltet sich das Betreten der Verbotenen Stadt, gibt es doch an jeder Ecke Kontrollen, die bei vielen Menschen auch viel Zeit erfordern. So müssen z.B. am Haupttor noch einmal sämtliche Pässe gezeigt und registriert werden. Die Verbotene Stadt ist ein riesiges Areal mit 890 oder 9999,5 Bauwerken (je nach Lesart), das in seiner Anlage einzigartig ist. Neben den vielen Palästen und Pavillons befindet sich hier auch das Palastmuseum Peking. Die zwei Stunden, die zur freien Verfügung stehen, reichen sicher nicht aus, um alles zu sehen und sind doch genug Zeit für die Mädchen, sich einen Eindruck zu verschaffen.

Danach geht es (juhuuuu) ab in die Einkaufszonen Pekings, wo sich die Damen beim Feilschen um den besten Preis  wieder gegenseitig überbieten, wovon die Gespräche am Abendbrottisch Zeugnis ablegen.

12.10.2016 – Reisetag

Nach einer ereignisreichen KONZERT- und BILDUNGsreise, die den Horizont der jungen Leute in vielerlei Hinsicht erweitert hat, freuen sich alle auf ein deutsches Frühstück.

Fotos: Hedderich

Mädchenchor Hannover

Konzertreise nach Italien 2015
16. Oktober 2015

Unser Abreisetag. Wir starten mit zwanzigminütiger Verspätung von der Christuskirche aus, nicht ohne unsere charmante Fahrerin durch einen männlichen Reisebegleiter ersetzt zu haben – auf einer Reise des MCH ist auch Manpower gefragt.

Unsere Fahrt wird zumindest anfänglich von etlichen Staus behindert, so dass wir über Sehnde und Lehrte die Autobahnauffahrt erreichen (müssen). Dann allerdings geht es zügig durch ein regennasses Deutschland bis nach Nürnberg, wo wir um 23 Uhr eintreffen. Die Jugendherberge erweist sich als ein wunderbar modernisiertes altes Gemäuer: Die 500 Jahre alte Kaiserstallung der Burg lässt auch in der Dunkelheit ihre außergewöhnliche Lage ahnen.

Doch steht den meisten von uns der Sinn nur noch nach einem Bett. Reisen ist anstrengend. 

17. Oktober 2015

Wieder steht uns ein reiner Reisetag bevor: Von Nürnberg geht es heute bis nach Venedig. Als wir pünktlich um 9 Uhr die Jugendherberge verlassen, liegt eine gut 700 km lange Strecke vor uns, die wir mit allen vorgeschriebenen Pausen bis etwa 19.30 Uhr hinter uns gebracht haben wollen. 

Bei schönem Wetter geht es via München, Innsbruck, Bozen und Verona zum Zielort. Nach einigen Formalitäten und einem millimetergenauen Einparkmanöver von Kay stehen wir vor unserem Hotel Venezia, das uns zwei Nächte lang beherbergen wird.

Zum Nachtessen geht es in eine sehr nah beim Hotel liegende Trattoria, wo wir mit Lasagne und Apfelstrudel (man lese und staune) gesättigt werden.

Morgen kommt dann endlich die Musik ins Spiel.

18. Oktober 2015

Das wird ein anstrengender Tag, haben wir doch gleich zwei Konzerte zu singen. Aber der Reihe nach.

Wir verlassen nach dem Geburtstagsfrühstück (Lucia begeht ihren 16. Geburtstag) um 9.15 Uhr das Hotel, um nach Tronchetto zu fahren, wo wir den Bus abstellen wollen. Als wir über die Ponte della Liberta auf Venedig zufahren, begrüßt uns die Silhouette der Stadt in fahlem Sonnenlicht, was einigen Mädchen wahre Begeisterungsrufe entlockt. Durch den Canale della Giudecca geht es zum Anleger Cornoldi, von dort zur Basilica di S. Marco, wo um 12 Uhr eine Messe beginnt, die vom Gesang der Mädchen bereichert wird.

Als wir die Kirche nach dem Gottesdienst verlassen, bemerken wir, dass das Wasser steigt: Im Vorraum von S. Marco bilden sich Pfützen und auch auf dem Markusplatz finden sich große Lachen. Wir begeben uns zum Campo SS. Apostoli, wo die „Comunita Evangelica Luterana di Venezia“ residiert. Diese geschichtsträchtige und über lange Zeit auch kämpferische Gemeinde, die heute noch etwa 120 Mitglieder zählt und derzeit vom deutschen Pfarrer Bernd Prigge betreut wird, ist der Ort unseres zweiten Konzertes in Italien. Erst einmal heißt es, sich mit Pizza zu stärken, bevor die Proben beginnen.

Um 17 Uhr c.t.! beginnt das Konzert, das allerdings in der ersten viertel Stunde durch ein reges Kommen und Gehen etwas unruhig ist. Die Mädchen singen großartig und werden mit viel Beifall bedacht.

Gut gelaunt starten wir zum Abendessen in einem Restaurant direkt am Canale Grande. Die Vegetarier unter uns bekommen Plätze draußen zugewiesen, und es entbehrt nicht eines gewissen Flairs, am Wasser bei einbrechender Dunkelheit unter Heizpilzen die Mahlzeit einzunehmen.

Zwischenzeitlich hat es zu regnen begonnen, so dass wir den Heimweg mit Regenjacken und -schirmen antreten. Unser Boot nimmt uns am Anleger auf und fährt uns wieder zurück nach Tronchetto, zeitlich unterhaltsam von Frau Gudrun Romor, einem Mitglied des Kirchenvorstandes in SS. Apostoli verkürzt. 

Kay fährt uns zurück ins Hotel, wo wir alle nur noch eines wollen: Ins Bett.

Morgen geht’s weiter nach Meran. Erst aber machen wir Venedig noch ein bisschen unsicher…

19. Oktober 2015

Wettervorhersage für diesen Montag: Ergiebiger Regen. In der Nacht ist das Geplätscher von oben deutlich zu vernehmen. Am Morgen ist der Himmel noch unentschlossen, doch klärt sich – wie so oft im Leben – manches ganz von selbst.

Wir verlassen unser Hotel Venezia am Morgen pünktlich! und fahren ein weiteres Mal nach Venedig, allerdings nicht, um zu musizieren, sondern um noch ein wenig von der so berühmten Stadt zu sehen. Wir parken den Bus wieder auf der Isola del Tronchetto und setzen mit „unserem“ Boot nach Cornoldi über. Dort trennen sich unser aller Wege, in Gruppen erkunden die Mädchen Stadt, Kirchen, Plätze, Museen und Geschäfte, jede(r) auf seine Art und soviel in drei Stunden zu schaffen ist, denn genau um 14.15 Uhr müssen wir uns wieder am Bootsanleger treffen, um Venedig Adieu und Meran buona sera zu sagen.

Auf dem Weg nach Meran zeigt sich der Himmel in schönstem Blau, die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und verleiht den umliegenden Bergen eine unnachahmliche Färbung. Gegen 19 Uhr erreichen wir die Jugendherberge in Meran, es gibt eine Brotzeit, danach nur noch „Abendgeselligkeiten“.

Es ist auf dieser Reise erfreulich, mit der derzeitigen Chorbesetzung Konzerte zu geben und gleichzeitig eine menschlich so wunderbare Chorgemeinschaft zu (er)leben.

Morgen geht es zum Singen nach Bozen.

20. Oktober 2015

Strahlender Sonnenschein begrüßt uns, als wir aus den Jugendherbergsfedern kriechen. Wir haben das Gebäude und die Umgebung bei unserer Ankunft nur in Dunkelheit gesehen und sind nun ganz begeistert von diesem schönen Fleckchen Erde. Bis zum Mittagessen bleibt genug Zeit, den sehr überschaubaren Ort zu erkunden.

Meran ist ja schon im 19. Jahrhundert als Kurort bekannt gewesen, mit seinem mediterranen Klima, wovon die Flora zeugt, und der „guten Luft“ taugte es zur Erholung von allen möglichen „Lungenleiden“. Für uns, den MÄDCHENchor, ist es gut zu wissen, dass es hier seit 1988 ein privat geführtes Frauenmuseum gibt.

Die „Pizzaria Principe“ ist unser Ziel für’s Mittagessen, das aus Penne Bolognese, con Verdura und Tiramisù besteht. Der wahre Hit ist allerdings, dass Jean Reno, bekannt aus „Léon – Der Profi“ hier kellnert – zumindest sieht einer der Cameriere so aus wie der berühmte französische Schauspieler – Bilder auf Wunsch!

Nach dem Mittagessen fahren wir durch die herrliche Bergwelt nach Bozen, wo wir in der Evangelischen Kirche des Ortes unser drittes Konzert geben wollen. Der Pastor, Herr Dr. Friedrich, begrüßt uns und gibt eine Einführung in protestantisches Leben in der Diaspora, denn das sind die Lutheraner in diesem mehrheitlich katholischen Land. Ausgiebige Probenarbeit beherrscht den Nachmittag, doch ist danach auch noch ausreichend Zeit für Entspannung und ein Sonnenbad in der untergehenden Sonne.

Das Konzert, das von einer sehr aufmerksamen Zuhörerschaft verfolgt wird, ist ein anspruchsvolles, das von den Mädchen bravourös gemeistert wird; wir sehen, dass manchen der Besucher Tränen über die Wangen laufen…

Die Rückfahrt in unsere Jugendherberge ist eine ganz fröhliche, doch lang wird der Abend nicht mehr.

21. Oktober 2015

Es ist ein bisschen vermessen, immer wieder zu betonen, wie! schön! das Wetter hier ist, aber ich kann nur sagen: „Wenn Engel reisen, lacht der Himmel“.

Die Engelchen also verlassen die Jugendherberge in Meran pünktlich um 10 Uhr zur Weiterfahrt nach Bologna. Wir fahren Richtung Süden, der Sonne entgegen, lassen ein zweites Mal den Gardasee rechts liegen und sind dank günstiger Verkehrsverhältnisse früher als geplant in Bologna. Es bleibt also für die Mädchen viel Zeit, die Stadt zu erkunden. Frau Schröfel hat in einem Kurzvortrag die wichtigsten Bauwerke, Kirchen und Sehenswürdigkeiten skizziert, so dass die „Ladies“ (wie sie von Frau Kanzow liebevoll genannt werden) wissen, dass es außer den reizvollen Läden in der Altstadt auch andere besuchenswerte Lokalitäten gibt.

Und wie sie dies Wissen umsetzen! Kaum eine Kirche, in der die Betreuer nicht auf wahre Heerscharen von hannöverschen Mädchen treffen. In der Kathedrale San Pietro formiert sich ein Spontanquintett, das ein Sanctus von Caplet in der großartigen Akustik des Kirchenraumes singt und damit sogar den Priester aus seinem eichtstuhl lockt. Einige der sportlichen Girls besteigen die hohen Wahrzeichen der Stadt, Torre Garisenda und Torre degli Asinelli und erhalten als Belohnung einen traumhaften Blick über das sonnige Bologna. Am Neptunbrunnen auf der Piazza Maggiore werden Kultur und Kulinarik ein wenig vermengt – der Cappuccino schmeckt in solch‘ geschichtsträchtiger Atmosphäre nun mal besonders gut.

Kleine Kuriosität am Rande: In der Basilica di Santo Stefano, der ältesten Kirche Bolognas, einem Ort der Stille und des Gebets, weist mitten im Kreuzgang ein Schild auf „free Wi-Fi“ – willkommen im 21. Jahrhundert!

Leicht „angemüdet“ fahren wir alle nach prallvollen Stunden in unser Hotel am Rande der Stadt, wo uns ein leckeres Abendessen erwartet. Nach kurzen Planungen für den kommenden Tag verdrücken sich alle in ihre Zimmer – bald ist Schlafenszeit.

22. Oktober 2015

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er ‚was erzählen und wenn es gar eine Busreise ist, weiß man spätestens am dritten Reisetag ALLES über Ruhezeiten, (Zwangs)Pausen, Fahrtenschreiber und Versicherungsfragen im Fernbusgeschäft.

Heute nun ist also Ruhetag für unseren Fahrer Kay, was bedeutet, dass er seinen und unseren Bus mindestens 24 Stunden nicht vom Fleck bewegen darf. Auch die Mädchen haben heute einen Ruhetag, schauen ein bisschen in ihre Noten, gehen im Sonnenschein spazieren, „chillen“ und nutzen den Fitnessraum unseres Hotels. Um 17 Uhr (pünktlich!, was den italienischen Fahrer sehr verwundert, das sei in seinem Land ganz ungewöhnlich) fahren wir zu unserem Konzertort in Bologna, der Kirche „Santa Maria della Vita“, einer Barockkirche mit einer beeindruckenden Terrakotta-Skulpturengruppe der Beweinung Christi – unbedingt ansehen, wenn Bologna auf dem Reiseplan steht.

Eine ausgiebige Probenarbeit leitet uns in den Abend hinüber. Bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn um 20.45 Uhr stehen etliche Besucher vor der Kirchentür, bei Konzertbeginn ist der Kirchenraum gut gefüllt. Die Mädchen geben (wieder) ihr Bestes, der Applaus verlangt nach Zugaben, die -natürlich- gern gewährt werden. Recht spät machen wir uns auf den Rückweg ins Hotel, erfüllt von viel Musik und bester Laune.

Morgen müssen wir das schöne Bologna verlassen, um in die Stadt zu fahren, die das Ziel vieler, wenn nicht gar aller Wege ist: Rom!

23. Oktober 2015

Bologna – Stadt der berühmten Sauce, von Mortadella und Tortellini, Namensgeberin für einer mehr schlecht als recht geglückte Studienreform, Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2000 und Unesco City of Music: Hier schließt sich der Kreis, denn auch Hannover darf als eine von zwei deutschen Städten diesen Titel führen.

Wir verlassen diese interessante Stadt und fahren in Richtung Süden durch die traumhafte Berglandschaft des Apenin, wobei natürlich die Sonne maßgeblich an unserer Freude Anteil hat, hören wir doch, dass die Pässe oft in undurchdringliche Nebelschwaden getaucht sind.

Unsere Fahrt verläuft mit den obligatorischen Pausen ganz ungestört, und wir erreichen Rom am Nachmittag.

Unser Domizil diesmal ist die Villa Letizia, eine katholische Herberge, die sich auf die Gründerin des Ordens der „Töchter Mariae Mutter der Kirche“, Matilde Tellez Robles, beruft. Wir werden überaus freundlich empfangen, der reizende „padrone“ Juan sorgt sich um Anfragen und jedes Problem(chen) in rührender Weise.

Nach dem Abendessen in einer benachbarten Trattoria gibt es für die Mädchen und Frau Schröfel noch Arbeit am Notenmaterial in der kleinen, warmen(!) Kapelle des Hauses, danach verkriechen wir uns in unsere Betten – wie gut, dass Extradecken bereitgelegt worden sind, denn die Nächte sind empfindlich kalt.

Morgen sehen wir dann mehr von Rom, es steht eine Stadtführung auf dem Programm.

24. Oktober 2015

Rom – die schöne, die aufregende, die ewige Stadt: Wir freuen uns auf einen freien Tag, der uns Gelegenheit gibt, wenigstens ein BISSCHEN ihrer Kultur, ihres Lebensgefühls aufzunehmen.

Nach dem Frühstück in unserer Herberge (Mannomann: Starker Kaffee!) fahren wir mit dem Bus los und nehmen unterwegs Frau Edith Schaffer auf, die uns für ein paar Stunden als Stadtführerin einige markante Punkte nahebringen wird. Man sollte nicht vergessen, dass es in unserer Gruppe Menschen gibt, die eben NICHT schon 20 Mal in dieser Stadt waren und somit erst einmal überwältigt sind von dieser Ansammlung an geschichtsträchtigen Bauten, verbunden mit einem chaotisch anmutenden Verkehrsgemenge, denn anders als z.B. in Venedig wälzen sich hier nicht nur Menschen-, sondern auch Blechlawinen durch alle Ecken und Enden.

Frau Schaffer, die aus dem schönen Chiemgau stammt, erweist sich als Glücksfall für uns. Ganz abgesehen von ihrer überaus freundlichen Art bereitet sie die Geschichte Roms, die sich in den Bauwerken oder dem, was davon übrig ist, spiegelt, für uns auf besonders einprägsame und gleichzeitig unterhaltsame Weise auf. Sie verknüpft Mythologie, Legende und Faktenwissen so gekonnt, so beiläufig und trotzdem nachdrücklich, dass wir alle(!) bereichert werden. Man hat gar keine Lust, mit den Augen oder den Gedanken abzuschweifen, denn es ist eine Freude, ihr zu folgen, spannend zu hören, was sie zu sagen hat.

Wollte ich alles aufzählen, was wir in den Stunden mit ihr gesehen haben, so würde dieser Tagesbericht einem Reiseführer gleichen, der er ja gewiss nicht ist. Sowohl Ausgangs- als auch Endpunkt unserer Tour sind Bauwerke, die mit dem römischen Kaiser Hadrian verbunden sind: Engelsburg und Pantheon.

Letzteres wird zu einem besonders eindrücklichen Punkt auf unserer Reise, indem der ganze Chor das herrliche Gebäude mit einem kurzen Stück zum Klingen bringt, die Töne im Halbrund aufsteigen und die große Besucherschar wenn nicht verstummen, so doch aufhorchen lässt. Unter Applaus verlassen die Mädchen das Pantheon. Wir verabschieden und bedanken uns von und bei Frau Schaffer, danach beginnt die „freie Zeit“ für die Mädchen, die sie auf unterschiedlichste Weise verbringen. Gemeinsamer Nenner scheint allerdings eine große Eisportion in der an Eisläden so reichen Stadt zu sein. Das sommerwarme Wetter lädt natürlich auch dazu ein, sich durch die Straßen und Gassen treiben und Rom wirken zu lassen.

Treffpunkt zum gemeinsamen Abendessen ist das uns schon vom Vortag bekannte Lokal „Il Postiglione“. Man schaut in viele müde, aber glückliche Gesichter.

Und morgen gibt es dann noch einmal viel Musik…

25. Oktober 2015

Heute nun gibt es das letzte Konzert unserer Reise in der Kirche Santa Maria dell‘ Anima. Sie ist Kirche der deutsch sprechenden Katholiken in Rom, ein reich ausgestatteter Renaissance-Bau der, wie wir später bemerken werden, eine gute Akustik hat.

Nach dem Frühstück in unserer Unterkunft ist noch ein bisschen Freizeit angesetzt, ehe es um 13 Uhr zur Kirche geht. Dort erfolgt dann eine intensive Probe, bevor um 17 Uhr das Konzert beginnt. Der Kirchenraum ist bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar an den Wänden stehen die Menschen dicht beieinander, um den Mädchen zuzuhören. Und wie sie wieder singen, diesmal auf der Orgel begleitet! Man hat den Eindruck, dass sich der Applaus mit jedem Stück ein bisschen steigert. Natürlich hat auch der traditionelle „Chorstreich“, eine beim letzten Konzert stattfindende Überraschungseinlage seitens der Mädchen, seinen Platz, diesmal in Form einer Begleitchoreographie zu einem Humperdinck-Duett.

Der Jubel bei der Zuhörerschaft ist groß, einige der anwesenden Kleriker können sich dem nur mühsam anschließen. Als das Konzert beendet ist, bilden die Mädchen – ebenfalls ganz überraschend – im Mittelgang mit ihren Chormappen ein Spalier, durch das Gudrun Schröfel und Nicolai Krügel Arm in Arm hinausziehen.

Nach dem Konzert werden wir von vielen Zuhörern zu den Stücken und der Arbeit im Chor befragt. So ist z.B. eine Dame aus Finnland sehr angetan von der zeitgenössischen Musik im Programm, diese hätte in ihrem Heimatland einen großen Stellenwert. Das Alter der Mädchen, die Arbeitsweise im Chor, die Probenzeiten und vieles mehr werden noch angesprochen, bevor es dann in unser Lokal zum Abendessen geht. Das „Il Corallo“ bietet uns ein fabelhaftes Menu mit regionalen Köstlichkeiten. Außerdem wird der Wunsch nach einem Lied geäußert, dem die Mädchen mit „Värmeland“ gern nachkommen. Da ruht dann für einen Moment der gastronomische Betrieb, Pizza, Pasta und Parmaschinken werden mit leichter Verzögerung serviert. Zufällig ist ein Schwede unter den Gästen, der sich überschwänglich bei Gudrun Schröfel bedankt und den Chor gar für einen schwedischen gehalten hat…

Fröhlich und gut gesättigt verlassen wir das Restaurant und begeben uns zu unserem Bus. Kay Artal verwöhnt die Mädchen noch mit einer „Sightseeing-Tour“ durch das nächtliche Rom – das ist ein gelungener Abschluss dieses Tages.

Morgen geht es dann langsam in Richtung Heimat…

26. Oktober 2015

Pünktlich um 10 Uhr verlassen wir, nachdem wir den Nönnchen zwei Abschiedslieder gesungen haben, unsere „Casa della Maria“, fahren los – und beenden den ersten Teil der Reise nach 45 Sekunden: In unserer Straße, in der alle Autos nach italienischer Art im Halteverbot parken, hat sich ein/e Fahrer/in so keck schräg an den Rand gestellt, dass für den Bus kein Durchkommen ist. Es wird gehupt, wir versuchen, das Auto an die Seite zu „wippen“, suchen nach Helfern, doch alles scheint frustran. Aber wir haben nicht mit den findigen Italienern gerechnet. Wieselflink verbreitet sich die Nachricht unter verschiedenen Anrainern und nach 20 Minuten kommt mit wehenden Haaren eine junge Frau gelaufen, schaut nicht rechts noch links und schafft ihren Opel aus dem Weg. 

An dieser Stelle muss ich einmal unserem Busfahrer Kay Artal und seinem Gefährt die Ehre geben. Wir haben einen langen Reisetag vor uns, die Koffer sind wieder passgenau verstaut worden und los geht es auf für 720 km bis ins Innsbrucker Land. Nicht nur, dass wir immer mit heißem Kaffee verwöhnt werden, sorgt sich Kay um das Wohl der Mädchen auf rührende und fast väterliche Art und Weise. Kein Problem, das nicht lösbar, kaum ein Wunsch, der nicht erfüllbar wäre. So fährt er uns sicher durch die Toscana, vorbei am Gardasee (diesmal links von uns gelegen!) und Verona bis ins deutlich kältere Tiroler Land. Auf unserer Fahrt begleitet uns ein am Tag wolkenloser, in der Nacht tiefblauer (Sternen)Himmel. Der Vollmond trägt zur romantischen Stimmung ebenfalls bei, so dass wir wohlgemuth (wie Schumanns Jäger!) im kleinen Matrei in Tirol ankommen, uns auf Speisesaal und Zimmer verteilen und unseren letzten Abend ausklingen lassen.

27. Oktober 2015

Das Ende ist natürlich schnell erzählt. Wir verlassen Matrei eine Stunde früher als geplant und fahren durch eine zauberhafte Herbstlandschaft über den Fernpass auf der Landstraße nach Deutschland. Der Grenzwechsel gestaltet sich problemlos, allerdings ist kurz hinter der Grenze die A7 gesperrt, so dass wir unser Landstraßenabenteuer noch ein bisschen ausdehnen müssen und dabei etwas Zeit verlieren. Doch ist die Stimmung gut, die Mädchen singen glockenhell fröhliche Lieder, als ob sie ihre Stimmen niemals in Konzerten angestrengt hätten. Unterwegs entlassen wir Lena in Würzburg und Lea in Göttingen „in die Freiheit“ und erreichen (singend!) unser Ziel, die Christuskirche, pünktlich um 21.30 Uhr. Viele Eltern erwarten ihre Töchter, allen ist die Freude über’s Wiedersehen anzumerken.

Damit geht eine überaus harmonische Chorreise zu Ende. Und, liebe Eltern, die Sie/Ihr diese Zeilen vielleicht lesen/lest: Es sind fabelhafte Menschen, die da ihr Bestes gegeben, professionell gesungen und sich untadelig benommen haben. Es war eine Freude, mit diesen Mädchen eine solche Reise machen zu können.

2014  England

2013  Slowenien

2012  USA

2011  Belgien & Frankreich

2010  Estland

2009  Polen

2008  China

2007  Weißrussland
          Finnland

2006  Italien

2004  Italien

2002  Deutschland

2001  Kanada & USA

2000  Israel
          Norwegen

1999  Tschechien
          Polen

1998  Ungarn

1997  Schweden

1996  Japan

1995  Tschechien
          Spanien

1994  Süddeutschland
          Chile

1993  Frankreich
          Neue Bundesländer Deutschlands

1992  Israel
          Finnland

1991  Rumänien

1990  Sowjetunion

1989  Süddeutschland
          USA

1988  Ungarn

1986  Spanien & Frankreich

1985  Italien
          Österreich & Tschechoslowakei

1984  Finnland

1983  Brasilien

1982  Süddeutschland
          Frankreich

1981  Belgien

1980  Polen
          Japan

1979  England

1978  Sowjetunion

1977  Italien & Süddeutschland

1976  Türkei & Griechenland

1975  Frankreich & Belgien

1974  Ungarn & Österreich

1973  Portugal & Spanien

1972  Schweden

1970  Finnland

1969  Tschechoslowakei & Österreich

1968  Spanien, Frankreich & Schweiz

1967  England & Irland

1966  Schweiz & Österreich

1965  Südfrankreich

1964  Niederlande
          Nordfrankreich & Belgien

1963  England

1962  Niederlande
          Schweden

1961  Dänemark

1960  Süddeutschland

1959  Berlin
          Hessen

1958  Westfalen

1957  Norddeutschland

1956  Hessen u. Südniedersachsen

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